Testbericht der DJI Avata 360 (Teil 3)

Teil 3 von 3: Steuerung, Flugeigenschaften und Fazit

Im zweiten Teil des Testberichts der DJI Avata 360 hatten wir uns mit der Kamera der Drohne beschäftigt. In diesem dritten und letzten Teil befassen wir uns mit der Steuerung, dem Flug und der Bearbeitung der 360-Grad-Aufnahmen. Am Ende fassen wir unsere Ergebnisse zusammen und ziehen ein Fazit.

Die DJI Avata 360 lässt sich als Kameradrohne mit 360-Grad-Funktion flexibler als klassische Multicopter nutzen. Dadurch spricht sie im Gegensatz zu herkömmlichen Modellen unterschiedliche Zielgruppen an. Für die optimale Bedienung bietet DJI aus diesem Grund unterschiedliche Pakete an. Zum einen kann man die Avata 360 ohne jegliches Steuerungszubehör erwerben. Dieses 459,00 Euro teure Paket richtet sich an alle, die bereits über eine passende Ausrüstung verfügen. Klassische Copter-Piloten können sich für die Avata 360 mit der RC 2-Fernbedienung entscheiden (Paketpreis 719,00 Euro) und auch eine Fly More Combo wird angeboten (Paketpreis 939,00 Euro). Wer die Drohne immersiver fliegen möchte, greift dagegen zur Motion Fly More Combo (Paketpreis 939,00 Euro). Diese umfasst neben der Avata 360 die Googles N3 sowie die Fernbedienung RC Motion 3. Wir konnten die Drohne sowohl mit der RC 2 als auch den Googles N3 und der RC Motion 3 testen. Steht einem dieses Zubehör zur Verfügung, lässt sich je nach Wunsch und Laune zwischen dem „klassischen“ Fliegen und dem Einsatz der Brille wechseln.

Bei der Motion Fly More Combo liegen die DJI Googles N3 bei:

Große Polsterungen sorgen für das bequeme Sitzen der Brille:

Eingaben sind über drei Tasten möglich, zudem gibt es einen USB-C-Port und einen microSD-Slot:

Dieser Einstellknopf erlaubt das Verändern der Länge des Kopfbandes:

Mehr Spaß beim Fliegen dürften die meisten Nutzer mit der Googles N3 und der RC Motion 3 haben. Hier ist man – vor allem mit aktivierter Kopfsteuerung – quasi „mittendrin statt nur dabei“. Die Brille vermittelt einen deutlich dynamischeren Eindruck vom Fliegen als die Fernbedienung. Kurven lassen sich quasi mitfühlen und beim Fliegen nah über dem Boden wirkt die Darstellung viel eindrücklicher. In der Brille sorgt ein 3,5 Zoll großes LCD-Panel mit Full-HD-Auflösung für die Wiedergabe. Dieses gibt Details ansprechend wieder, schafft aber maximal 60 Bilder pro Sekunde. In Relation zum Preis weiß die N3 trotzdem zweifellos zu gefallen.

Die Steuerung erfolgt mit der RC Motion 3:

Für Eingaben stehen unter anderem ein Steuerknüppel und eine Schubtaste zur Verfügung:

Zu beachten sind beim Einsatz der unterschiedlichen Fernsteuerungen die abweichenden Features. Während beim Einsatz der RC 2 nur die "Virtual Easy Acro"-Funktion nicht zur Verfügung steht, müssen Nutzer der RC Motion 3 und der Googles N3 auf QuickShots, ActiveTrack und die unbegrenzte Roll- und Tilt-Funktion verzichten.

Die DJI Goggles N3 und der RC Motion 3 im Einsatz:

Der "virtuelle" Blick durch die Brille:

Wer die Avata 360 ganz „normal“ wie jede andere Drohne fliegen möchte, kann dies natürlich auch. Das durch die beiden Objektive vollständig eingefangene Bild bietet dabei Vorteile gegenüber einer „klassischen“ Drohne. Kamerabewegungen sind während des Fluges jederzeit ohne Einschränkungen möglich und durch die 360-Grad-Aufnahmen lässt sich der Bildausschnitt nachträglich frei bestimmen.

Beim Einzelobjektiv-Modus verhält sich die Drohne dann wie ein gewöhnliches Modell. Die damit entstandenen Aufnahmen lassen sich anders als die 360-Grad-Videos zudem sofort verwenden und müssen nicht erst via DJI Studio umgewandelt werden.

Die DJI RC 2 lässt sich ebenso zur Steuerung verwenden:

Zahlreiche Bedienelemente sorgen hier für einen hohen Komfort:

An der Unterseite der RC 2 befinden sich der USB-C-Port und der microSD-Slot:

Damit sich die DJI Avata 360 auch von Anfängern ohne Schwierigkeiten nutzen lässt, steht ein omnidirektionales Hinderniserkennungssystem zur Verfügung. Von Vorteil ist dieses aber natürlich für alle Nutzer. Nach vorne prüfen zwei Vision-Sensoren und ein LiDAR-System, wo die Drohne gerade hinfliegt. Den Abstand nach unten misst ein Infrarotsensor. Das omnidirektionale Hinderniserkennungssystem warnt aber nicht nur bei der Annäherung an Bäume, Autos oder andere Gegenstände, es ermöglicht auch das Verfolgen von Motiven. Wie beispielsweise die DJI Mini 5 Pro unterstützt auch die Avata 360 die Modi „POI“, „Spotlight“ und „ActiveTrack“.

Die Avata 360 bringt wie alle neueren Drohnen von DJI zahlreiche Automatik-Funktionen mit:

Dazu gehören die Spotlight- und die POI-Funktion:

Während man die „Point-of-Interest“-Funktion zum Umrunden eines Motivs nutzen kann, lässt sich dieses mit der „Spotlight“-Funktion von der Drohne im Stehen verfolgen. Mittels „ActiveTrack“-Funktion kann man zudem Personen oder Fahrzeuge verfolgen, die stärker in Bewegung sind. Hier übernimmt die Avata 360 auch das Fliegen.

Bei der Motivverfolgung mittels "ActiveTrack"-Funktion gibt es mehrere Optionen:

Hier folgt die Avata 360 dem Motiv selbstständig:

Dabei gilt es zu beachten, dass die Hinderniserkennung zwar meistens solide arbeitet, es aber durchaus eine gewisse Fehlerquote gibt. Bei unserem Test wurden dünne bis mitteldicke Äste als Beispiel nicht immer korrekt erkannt, weshalb die Avata 360 einmal mehr durch eine Baumkrone hindurch (inkl. leichter Astberührung) als vorbeifliegen wollte. Zu einem Absturz kam es dabei jedoch nicht. Die Propellerguards wirken sich in derartigen Fällen natürlich positiv auf Kollisionen aus, da sie Rotoren gut abschirmen.

Da Beschädigungen im Alltag durchaus passieren können, hat DJI die Avata 360 zudem mit austauschbaren Linsen ausgestattet. Eine Ersatzlinse kostet lediglich 21 Euro (bzw. 25 Euro mit passendem Werkzeug) und kann durch den Drohnenbesitzer selbstständig gewechselt werden.

Das Replacement-Lens-Kit erlaubt den Linsentausch:

Das Flugverhalten der DJI Avata 360 lässt sich als sehr agil und sportlich bezeichnen. Mit einer Steiggeschwindigkeit von bis zu 10m/s, einer Sinkgeschwindigkeit von ebenso 10m/s und einer Höchstgeschwindigkeit von 18m/s bewegt sie sich in etwa auf dem Level der Mini 5 Pro. Bei Vollgas und im Sportmodus kann man fast gar nicht so schnell schauen, wie sich die Avata 360 vom Piloten entfernt. Darüber hinaus besitzt sie auch bei Wind ausreichend Leistungsreserven, um die Eingaben des Nutzers problemlos umsetzen zu können. Einher geht diese Leistung allerdings auch mit einer recht hohen Lautstärke. Durch die kleinen Propeller und die Propellerguards lässt sich dies nicht umgehen. In puncto Akkulaufzeit verrät bereits das Datenblatt der Avata 360, dass man mit 23 Minuten keine ewig langen Flüge einplanen sollte. Im Alltag sind eher 15 bis 20 Minuten ein realistischer Wert. Ein zweiter Akku wird somit quasi zur Pflicht. Bei den Fly More Combos ist man mit drei Akkus natürlich bestens gerüstet.

Mit der DJI-Studio-Software lassen sich u. a. auch Effekte hinzufügen:

Daneben werden allgemeine Bildkorrekturen unterstützt ...

... und können verschiedene Filmlook-Presets angewendet werden:

Beim Export von 360-Grad-Videos stehen klassische oder 360-Grad-Videos zur Wahl:

Wer mit der DJI Avata 360 360-Grad-Videos aufzeichnet, hat bei der Nachbearbeitung mehr Möglichkeiten als bei klassischen Videos. Diese Vorteile gehen allerdings auch mit Nachteilen einher. 360-Grad-Aufnahmen müssen immer bearbeitet werden, ansonsten sind sie wenig bis nicht brauchbar. Dafür bietet DJI die hauseigene Software DJI Studio an. Diese erlaubt das Festlegen des Bildausschnittes, das Hinzufügen vorgefertigter Effekte oder auch die von klassischen Bildbearbeitungsprogrammen bekannten Korrekturen (Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Schärfe, …). Zielgruppe der Software sind vor allem Einsteiger, diesen stehen eigentlich alle notwendigen Bearbeitungsfunktionen zur Verfügung.

Unser Fazit:
Die DJI Avata 360 ist eine vielseitig einsetzbare Kameradrohne mit besonderen Features. Der Fokus liegt natürlich auf den 360-Grad-Aufnahmen. Diese erlauben die nachträgliche Auswahl des Bildausschnitts und sorgen dadurch für ganz neue Möglichkeiten. Von einem Flug kann man wesentlich mehr Bildmaterial als mit einer klassischen Drohne generieren. Die Konzentration auf die Steuerung macht das Fliegen für die meisten zudem wohl auch entspannter. 360-Grad-Aufnahmen sorgen allerdings nicht nur für Vorteile, es gibt auch Nachteile hinzunehmen. Dazu gehört die reduzierte Bildqualität, die bei klassisch ausgegebenen Videos trotz 8K-Auflösung doch sichtbar unterhalb von normalen Drohnen liegt. Beim Betrachten der 360-Grad-Ansicht sind die Videos dagegen brillant. Bei Fotos gibt es mit 120 Megapixel noch etwas mehr Reserven, das nachträgliche Zuschneiden ist deutlich flexibler möglich. Dank RAW-Funktion stehen Nutzern bei der Nachbearbeitung sogar alle Optionen offen. Probleme können sich allerdings bei der Panorama-Erstellung ergeben. Klassische Panorama-Tools konnten unsere Beispielbilder standardmäßig nicht zusammenfügen.

Die 360-Grad-Aufnahmen sorgen für zahlreiche Vorteile, es gibt aber auch Nachteile:

Bei Videos haben wir uns auf das DJI Studio verlassen. Damit waren auch etwas umfangreichere Bearbeitungen ohne Probleme möglich. Wer seine Aufnahmen sofort nutzen möchte, kann zum Einzelobjektivmodus wechseln. Dieser erlaubt klassische Aufnahmen in 4K-Auflösung (bis zu 60p), wie man sie von „normalen“ Drohnen kennt. In der Luft punktet die DJI Avata 360 wie alle modernen Multicopter von DJI mit sehr guten Leistungsdaten. Einsteiger können die Drohne dank der Propellerguards sogar gefahrloser als klassische Modelle fliegen.

Mit an Bord ist zudem eine Hinderniserkennung. Diese erkennt größere Hindernisse problemlos, bei kleineren Ästen gibt es aber noch Optimierungspotenzial. Sehr gut ist die breite Kompatibilität zu Fernbedienungen: Möchte man die Avata 360 klassisch nutzen, steht unter anderem die DJI RC 2 zur Verfügung. Alternativ lassen sich jedoch auch die DJI FPV 3 oder die RC Motion 3 verwenden. Dank der Googles N3 kann man in die Flüge dabei richtig „eintauchen“.

Bei der Avata 360 handelt es sich um eine sehr flexibel einsetzbare Kameradrohne:

Am Ende unseres Tests stellt sich die Frage: Ist die Avata 360 oder eine klassische Drohne von DJI die bessere Wahl? Unsere Antwort: Sucht man eine Kameradrohne, die alles – wenn auch nicht perfekt – kann, ist die Avata 360 eine sehr gute und angesichts eines Einstiegspreises von 459,00 Euro (ohne Zubehör) auch eine günstige Option. Wer jedoch auf der Suche nach dem Modell mit der höchsten Bildqualität bei Fotos und Videos ist, fährt mit anderen Kameradrohnen – die dann nicht ganz so flexibel nutzbar sind – besser.

Die dkamera.de-Awards zur Kameradrohne DJI Avata 360:

Autor: dkamera.de Redaktion
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