17.04.2025 - 08:02

Testbericht des Nikkor Z 35mm F1,2 S

Sehr lichtstarke Festbrennweite der Profiklasse für Vollformat-DSLMs

Die lichtstärksten Objektive mit Autofokus besitzen bei Nikon eine Blende von F1,2. Nach dem Nikkor Z 50mm F1,2 S und dem Nikkor Z 85mm F1,2 S kann seit Anfang 2025 nun auch ein 35mm-Modell mit dieser sehr hohen Lichtstärke erworben werden. Das Nikkor Z 35mm F1,2 S ist das dritte 35mm-Objektiv von Nikon für spiegellose Systemkameras und das „Flaggschiff“ mit Reportage-Brennweite. Wir haben uns die Festbrennweite genauer angesehen.

Die technischen Daten:
Beim Nikkor Z 35mm F1,2 S macht Nikon keine halben Sachen. Mit einer Blende von F1,2 gehört das Objektiv zu den lichtstärksten Modellen mit Autofokus am Markt, neben dem Nikkor Z 35mm F1,8 und Nikkor Z 35mm F1,4 ist es das dritte Z-Objektiv von Nikon mit einer Brennweite von 35mm. Während die Modelle mit F1,8 und F1,4 zu den kleineren und leichteren Objektiven gehören, ist das beim Nikkor Z 35mm F1,2 S allerdings anders.

Das Objektiv wirkt mit seinen großen Abmessungen eher nicht wie eine 35mm-Festbrennweite:

Die Festbrennweite ist für ein Objektiv mit 35mm überdurchschnittlich groß (9,0 x 15,0cm) und schwer (1.060g). Zum Vergleich: Das Nikkor Z 35mm F1,4 bringt nur 415g auf die Waage, das Nikkor Z 35mm F1,8 lediglich 370g. Sogar das lichtstarke Standardzoom Nikkor Z 24-70mm F2,8 S ist kompakter (8,9 x 12,6cm) und ein gutes Stück leichter (805g). Im Einsatz haben wir das Nikkor Z 35mm F1,2 S selbst an einer größeren Kamera wie der Z 8 als „frontlastig“ empfunden, mit Batteriegriff sollte das Handling deutlich ausgewogener sein. Wer die Festbrennweite an die Kamera „schnallt“ oder in die Fototasche packt, will sie definitiv dabeihaben und von den Vorteilen profitieren. Ein Objektiv, das man einfach mal mitnimmt, ist das Nikkor Z 35mm F1,2 S auf keinen Fall.

Das Nikkor Z 35mm F1,2 S mit Gegenlichtblende an einer Nikon Z 8:

Als Modell der allerhöchsten Güteklasse gehört das Nikkor Z 35mm F1,2 S natürlich zur S-Serie und bringt sehr viele aktuelle Technologien mit. Das gilt auch für den optischen Aufbau. Hier setzt Nikon auf 17 Linsen in 13 Gruppen und zahlreiche spezielle Linsentypen. Drei der Linsen bestehen aus ED-Glas, weitere drei sind asphärische Elemente und eine Linse ist eine Asphäre, die aus ED-Glas gefertigt wird. Bildstörungen wie Reflexionen oder Geisterbilder minimiert Nikon durch drei Vergütungen. Die meso-amorphe Vergütung, die ARNEO-Vergütung und die Nanokristall-Vergütung.

Der optische Aufbau besteht aus 17 Linsen in 13 Gruppen:

Durch die sehr große Blendenöffnung von F1,2 eignet sich das Nikkor Z 35mm F1,2 S natürlich hervorragend für Aufnahmen bei wenig Licht, geringere ISO-Werte als mit der 35mm-Festbrennweite lassen sich mit keinem anderen Autofokus-Objektiv von Nikon erreichen. Zudem kann man Motive hervorragend vom Hinter- oder Vordergrund abheben und seine Aufnahmen besonders gut gestalten. Als kleinste Blende ist F16 wählbar, elf Blendenlamellen sollen auch bei einer Öffnung abseits der Offenblende für eine harmonische Wiedergabe sorgen. Mit 35mm gehört das Nikkor Z 35mm F1,2 S zu den Reportage-Objektiven, die Festbrennweite eignet sich daher für allerlei Aufnahmesituationen. Man kann den Blick des Zusehers auf ein Motiv fokussieren und dabei trotzdem die Gesamtsituation im Blick behalten.

Neben dem Fokusring gibt es einen Steuerring, zwei L-Fn-Tasten und einen AF/MF-Schalter:

Das Gehäuse des Nikkor Z 35mm F1,2 S ist natürlich abgedichtet, Staub und Spritzwasser stellen im Einsatz kein Problem dar. Als Bedienelemente stehen ein sehr breiter Fokusring und ein schmaler Einstellring zur Verfügung. Letzteren hätte man angesichts des enormen Platzangebots durchaus größer konstruieren können, hier ist sich Nikon beim bisher verfolgten Design jedoch treu geblieben. Daneben gibt es zwei L-Fn-Tasten und einen Schalter für den Fokusmodus. Über den Steuerring lassen sich unter anderem die Blende oder die Sensorempfindlichkeit anpassen, die Wahl des Parameters erfolgt über das Kameramenü.

Am Bajonett hält ein Gummiring Staub und Spritzwasser fern:

Alle relevanten Stellen des Gehäuses sind abgedichtet:

Beim Gehäusematerial handelt es sich weitestgehend um hochwertigen Kunststoff, das Bajonett besteht aber natürlich aus Metall. Wer beim Nikkor Z 35mm F1,2 S Filter nutzen möchte, muss zu Modellen mit einer Größer von 82mm greifen. Auch hier machen sich die stattlichen Abmessungen der Festbrennweite bemerkbar.

Im Filtergewinde des Nikkor Z 35mm F1,2 S kann man 82mm große Filter einschrauben:

Autofokus/manueller Fokus:
Als Fokusmotoren kommen beim Nikkor Z 35mm F1,2 S zwei Schrittmotoren zum Einsatz. Angesichts der hohen Lichtstärke müssen auch große Linsen bewegt werden. Der Autofokus arbeitet bei der Festbrennweite nicht vollkommen geräuschlos, in leisen Umgebungen kann er auf jeden Fall wahrgenommen werden. Störend fällt die Lautstärke allerdings nicht aus und etwas lautere Umgebungsgeräusche überdecken das Fokusgeräusch auch schnell. Wer mit dem Nikkor Z 35mm F1,2 S in leisen Umgebungen filmen möchte, kommt an einem externen Mikrofon trotzdem eher nicht vorbei, wenn Fokusgeräusche nicht auf der Tonspur landen sollen.

Bei unserem Autofokustest kamen wir auf eine Fokussierungszeit von 0,28 Sekunden. Das ist angesichts der hohen Lichtstärke ein sehr guter Wert. Für die Action- und Sportfotografie eignet sich die Optik trotzdem weniger als andere Objektive, die doch noch deutlich schnellere Schärfeänderungen erlauben. Der breite Fokusring des Nikkor Z 35mm F1,2 S eignet sich optimal für das manuelle Scharfstellen, die verwendete Gummierung trägt dazu ebenso bei. Durch die lineare Umsetzung des Fokusrings ist das Verändern des Fokuspunkts auch bei Videos kein Problem, das Focus Breathing fällt zudem gering aus.

Die Naheinstellgrenze des Nikkor Z 35mm F1,2 S liegt bei 30cm, dank des maximalen Abbildungsmaßstabes von 1:5 kann man auch etwas kleinere Motive gut ablichten. Ein Makroobjektiv ist die Festbrennweite natürlich nicht.

Bildqualität:
Nikon setzt beim Nikkor Z 35mm F1,2 S wie bereits angesprochen auf einen optischen Aufbau mit 17 Linsen in 13 Gruppen. Zahlreiche spezielle Linsen minimieren Abbildungsfehler. Chromatische Aberrationen fallen in der Praxis nahezu nicht auf, nur bei sehr genauem Hinsehen kann man vereinzelt welche erkennen. Das gilt sogar für die Offenblende von F1,2. Die tonnenförmige Verzeichnung der Festbrennweite ist sehr gering und in der Praxis kaum zu erkennen. Ganz anders sieht es bei der Vignettierung aus. Diese dunkelt die Ränder und Ecken stark ab, hier muss man in aller Regel nachhelfen. Immerhin nimmt die Vignettierung schon bei F2 sichtbar ab, ab F2,8 fällt sie dann in der Praxis kaum mehr auf. Flares und andere Reflexionen bekamen wir im Alltag nur sehr geringfügig zu Gesicht.

Die Bildschärfe fällt beim Nikkor Z 35mm F1,2 S im Zentrum bereits bei F1,2 sehr gut aus, sie macht bei F1,4 und F2 aber noch einmal einen kleinen Sprung. Spätestens ab F2 ist sie exzellent. Am Bildrand stufen wir die Abbildungsleistung bei F1,2 als gut ein, bei F2 als sehr gut. Leichtes Abblenden ist für knackig scharfe Ränder notwendig, spätestens ab F2,8 wird ein Top-Ergebnis erzielt. In der Praxis stellen für uns in den allermeisten Situationen Blendenwerte von F1,4 bis F2,8 das Optimum dar. Hier fällt die Detailwiedergabe hervorragend und die Vignettierung deutlich geringer als bei F1,2 aus. Beim Bokeh des Nikkor Z 35mm F1,2 S hat sich Nikon zweifellos große Mühe gegeben. Objekte außerhalb der Schärfeebene tauchen in eine „samtige“ Unschärfe ab, störende Strukturen lassen sich selbst bei dafür anfälligen Motiven kaum wahrnehmen.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen des Nikkor Z 35mm F1,2 S:

Unser Fazit:
Das Nikkor Z 35mm F1,2 S ist ein außergewöhnliches Objektiv. Es fällt mit Abmessungen von 9,0 x 15,0cm für eine 35mm-Festbrennweite außergewöhnlich groß und mit einem Gewicht von 1.060g auch sehr schwer aus. Ein kompaktes Allroundobjektiv sieht zweifellos anders aus, auch wenn man mit dem Nikkor Z 35mm F1,2 S dank 35mm – trotz fester Brennweite – doch einige unterschiedliche Situationen abdecken kann. Dieses Ziel hatte Nikon bei der Entwicklung des Objektivs aber auch gar nicht im Auge, stattdessen sollte ein Modell mit hervorragender Abbildungsleistung sowie hoher Lichtstärke konstruiert werden.

Das 35mm F1,2 S ist mit weitem Abstand das größte und schwerste 35mm-Objektiv von Nikon:

Das Ziel hat Nikon ohne Frage erreicht, optisch ist das Nikkor Z 35mm F1,2 S bis auf eine Ausnahme sehr gelungen. Die Bildschärfe fällt in der Mitte schon bei F1,2 hoch aus, leicht abgeblendet stufen wir die Abbildungsleistung als exzellent ein. Die Ränder halten bei F1,2 nicht ganz mit, leichtes Abblenden hebt die Qualität allerdings auf ein sehr ansprechendes Niveau. Chromatische Aberrationen hat Nikon auch bei Offenblende sehr gut unter Kontrolle, die leichte Verzeichnung fällt in der Praxis nicht auf.

Als einzige optische Schwäche ist die starke Vignettierung bei F1,2 zu nennen. Diese beeinflusst den Bildeindruck deutlich. Bei F1,4 fällt sie immerhin schon sichtbar niedriger aus und ab F2 bis F2,8 stört sie kaum mehr. Das Bokeh der Festbrennweite lässt keinerlei Wünsche offen, viel weicher geht es nicht.

Neben der sehr hohen optischen Leistung sorgt u. a. auch die sehr große Blende für Freude:

Die Leistung des Autofokus kann sich beim Nikkor Z 35mm F1,2 S für ein Objektiv mit Blende F1,2 sehen lassen, vollständig geräuschlos arbeitet dieser jedoch nicht. Motiven kann man sich auf recht kurze 30cm nähern, das reicht in der Praxis in aller Regel aus. Zu gefallen wissen auch der große Fokusring und die L-Fn-Tasten, der schmale Steuerring hätte dagegen noch größer ausfallen können. An Abdichtungen hat Nikon beim Nikkor Z 35mm F1,2 S natürlich nicht gespart, die Montage von Filtern erfolgt via 82mm großem Gewinde.

Unsere Auszeichnung des Nikkor Z 35mm F1,2 S:

Autor: dkamera.de Redaktion