27.03.2026 - 07:33

Testbericht der DJI Avata 360 (Teil 2)

Teil 2 von 3: Alle Kamera-Spezifikationen und Beispielaufnahmen in voller Auflösung

Nachdem wir im ersten Teil unseres Testberichts der DJI Avata 360 auf die wichtigsten Gehäuse- und Flugspezifikationen des Multicopters mit Kamera eingegangen sind, nehmen wir nun die Kamera(s) unter die Lupe, die bis zu 120 Megapixel auflösende Fotos und 8K-Videos aufzeichnen können.

Die DJI Avata 360 ist als Besonderheit in der Lage, sphärisches Panorama aufzunehmen. Um das zu erreichen, verfügt sie anders als die meisten Kameradrohnen von DJI nicht über eine klassische Gimbalkonstruktion mit einer Kamera. Stattdessen ist eine drehbare Kameraeinheit mit zwei Kameras verbaut. Jede Kamera verfügt über ein Fisheye-Objektiv mit 200 Grad Bildwinkel und einer Blende von F1,9. Zusammengesetzt ergibt sich daraus ein Kugelpanorama. Dieses hat den Vorteil, dass es die komplette Szenerie einfängt und man den Bildwinkel nachträglich frei bestimmen kann. Das gilt sowohl für Fotos als auch für Videos. Während Piloten bei anderen Drohnen den Bildwinkel vor bzw. während der Aufnahme festlegen müssen, kann man sich als Besitzer der Avata 360 vollkommen auf den Flug konzentrieren. Alle weiteren Bearbeitungen erfolgen später per Software. Das kann in manchen Situationen von großem Vorteil sein.

Eine Kamera schaut im Flug nach unten, die andere nach oben:

Hinter beiden Objektiven, deren Frontgläser sich bei Beschädigungen tauschen lassen, befinden sich Bildwandler der 1/1,1-Zoll-Klasse mit einem Seitenverhältnis von 1:1. Die Bildpunkte sind jeweils 2,4μm groß, die ISO-Wahl ist zwischen ISO 100 und 6400 (360-Grad-Video) bzw. zwischen ISO 100 und 12.800 (Einzelobjektiv-Aufnahme) möglich. DJI gibt zudem an, dass die Sensoren über eine Dual-Native-ISO-Funktion mit ISO 100 und ISO 800 verfügen.

Videos kann man mit bis zu 8K-Auflösung aufzeichnen:

Als Bildraten stehen 24 bis 60 Vollbilder pro Sekunde zur Wahl:

Fotos lösen 120 Megapixel (15.520 x 7.760 Pixel) oder 30 Megapixel (7.776 x 3.888 Pixel) auf, Videos lassen sich in 8K-Auflösung (7.680 x 3.840) mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde oder in 6K-Auflösung (6.000 x 3.000 Pixel) mit ebenso bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde aufzeichnen. Ersteres geht im JPEG- oder JPEG+RAW-Format, die mittels H.265-Codec komprimierten Videos lassen sich mit normalem oder D-Log-M-Profil speichern. Möchte man klassische Videos direkt aus der Drohne erhalten, ist die Einzelobjektiv-Aufnahme (maximal 4K60p) zu wählen.

Fotos lassen sich mit bis zu 120 Megapixel speichern:

Neben JPEG-Dateien sind auch RAWs wählbar:

Die Belichtung erfolgt automatisch oder manuell:

Derartige Videospezifikationen lassen uns natürlich aufhorchen, sie erinnern doch sehr stark an die 360-Grad-Actionkamera DJI Osmo 360. Bei dieser muss man allerdings auf RAW-Aufnahmen verzichten. Dass diese möglich wären, zeigt die Avata 360.

Natürlich hat auch die DJI Avata 360 die von anderen DJI-Drohnenmodellen bekannten Aufnahme-Optionen und Aufnahme-Hilfen zu bieten. Dazu gehören unter anderem die Wahl der Belichtungszeit, der Sensorempfindlichkeit oder des Weißabgleichs. Vorhanden sind zudem eine Flimmeranpassung und unterschiedliche Hilfsrahmen.

Weitere Kamera-Optionen der DJI Avata 360:

Unter anderem lassen sich auch Hilfslinien oder ein Histogramm einblenden:

Die Speicherung ist auf dem internen Speicher oder einer microSD-Karte möglich:

Natürlich stellt sich angesichts dieser sehr ansprechenden technischen Daten die Frage, wie gut die Bildqualität der DJI Avata 360 ausfällt. Zunächst schauen wir uns hier die Fotofunktion an. 120 Megapixel würden die meisten Nutzer vermutlich als sehr hohe Auflösung einstufen. Bei 360-Grad-Bildern kann man jedoch praktisch nicht genug Pixel haben. Schließlich verteilen sich diese Bildpunkte nicht nur auf einen vergleichsweise kleinen Bildwinkel, sondern sie decken die gesamte Szenerie um die Drohne ab. Die 120 Megapixel der Avata 360 reichen für ansprechende Aufnahmen grundsätzlich problemlos aus. Bei der klassischen Betrachtung von 360-Grad-Bildern – beispielsweise mittels eines 360-Grad-Viewers – bekommen Fotografen eine sehr scharfe Darstellung zu Gesicht. Zoomt man in die Bilder weiter hinein – um die bei 360-Grad-Aufnahmen unweigerlich kleinen Motive zu vergrößern – lässt die Detailwiedergabe sichtbar nach. Gröbere Strukturen bleiben zwar erhalten, feinere Details werden aber nicht optimal wiedergegeben. Zudem lässt sich abseits guter Lichtverhältnisse auch Bildrauschen erkennen. Möchte man nur die 360-Grad-Ansicht genießen, ergibt sich wie gesagt ein sehr ansprechendes Bild. Zumindest bei der vollen Auflösung. Die alternativ 30 Megapixel großen Bilder lassen doch einige Details vermissen. Diesen Nachteil würden wir freiwillig nicht in Kauf nehmen. Sofern möglich, sollten Aufnahmen daher stets mit 120 Megapixel gespeichert werden.

Noch mehr Details lassen sich mit den RAW-Bildern der Avata 360 herausholen. Diese bieten deutlich mehr Nachbearbeitungsmöglichkeiten und erlauben unter anderem auch eine bessere Rauschreduzierung. In der Praxis ergab sich jedoch das Problem, dass wir die beiden Einzelbilder einer Panorama-Aufnahme (bei RAWs erfolgt die Ausgabe nicht als 360-Grad-Bild) mit klassischen Panorama-Tools wie Camera RAW oder PTGui standardmäßig nicht fehlerfrei zusammenfügen konnten. Bei PTGui lässt sich diese Problematik zwar durch das manuelle Setzen von Kontrollpunkten lösen, praxistauglich ist diese Vorgehensweise (da sie viel Zeit kostet) jedoch kaum.

Als weiteren Test haben wir die Bildqualität der Avata 360 bei Fotos mit der DJI Mini 5 Pro verglichen. Hierfür haben wir allerdings nicht den normalen Aufnahmemodus der Mini 5 Pro genutzt, sondern deren 360-Grad-Fotomodus. Damit lassen sich automatisiert Kugelpanoramen erstellen. Da die Kameradrohne hierfür viele Bilder zusammensetzt, dauert der Prozess der Panoramaerstellung natürlich wesentlich länger (circa eine Minute) als bei der Avata 360. Dadurch können sich bei bewegten Motiven Probleme ergeben. Beim direkten Vergleich zeigt sich jedoch, dass die Mini 5 Pro wesentlich mehr Details wiedergibt. Und das, obwohl deren Aufnahmen „nur“ 72 Megapixel besitzen. Die reine Pixelzahl ist wie so oft also kaum aussagekräftig. Wer möglichst detailreiche 360-Grad-Panoramen benötigt, sollte sich also für die Mini 5 Pro anstatt der Avata 360 entscheiden.

Kommen wir nun zur Bildqualität der DJI Avata 360 bei Videoaufnahmen. Hier lässt sich grundsätzlich zwischen der 8K- und der 6K-Auflösung wählen. Da bei beiden Bildraten eine Bildwiederholfrequenz von bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde angeboten wird, ergeben sich bei 6K-Aufnahmen theoretisch allenfalls geringere Dateigrößen und sonst keine weiteren Vorteile. Beim direkten Vergleich der Videos zeigt sich jedoch auch, dass die 8K-Videos den 6K-Videos in puncto Qualität kaum voraus sind. Die Unterschiede sind marginal. In manchen Bildbereichen wirken sogar die 6K-Videos etwas schärfer. Dies sollte allerdings auf eine etwas stärkere Nachschärfung zurückzuführen sein.

Egal, ob man nun zur 8K- oder 6K-Auflösung greift, es gilt: Die 360-Grad-Videos lassen im Vergleich zu klassischen Aufnahmen schon Details vermissen, wenn man den Bildausschnitt stärker verkleinert. Bei einem Bildfeld von 100 Grad erhält man laut DJI zwar noch Full-HD als Auflösung (bei 8K-Videos als Grundlage), im Vergleich zur etwa gleich teuren Mini 5 Pro mit 4K-Auflösung ist das aber natürlich signifikant weniger. Bei „6K“ landet man dann schon deutlich unterhalb von Full-HD-Material. Hier gilt es abzuwägen, ob die Avata 360 mit ihren 360-Grad-Aufnahmen das bessere Paket darstellt oder man sich für eine klassische Drohne entscheidet. Letztere liefert bei einem hochwertigen Modell eine deutlich bessere Bildqualität. Die 360-Grad-Videos der Avata 360 bieten aber natürlich deutlich mehr Bearbeitungsspielraum. Im Einzelobjektiv-Modus sind Videos mit bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde in 4K-Auflösung möglich. Damit lassen sich klassische Drohnen-Videos erstellen. Einzelbilder werden dagegen anscheinend (noch) nicht unterstützt. Obwohl es im Menü dazu eine Option gibt, konnten wir keine Aufnahmen erstellen.

Grundsätzlich gilt für die neue Kameradrohne, dass Videos bei ausreichend Licht aufgenommen werden sollten. Ansonsten wird schnell ein stärkeres „Grieseln“ sichtbar. Beim Fliegen stört dies zwar nicht, bei der späteren Auswahl des Bildwinkels aufgrund des starken Bildzuschnitts jedoch stark. Sehr zu überzeugen weiß der große Dynamikumfang der Aufnahmen. Dieser sorgt auch bei starken Helligkeitsunterschieden, die bei 360-Grad-Aufnahmen die Regel sind, für wenig ausgebrannte Bildbereiche.

Die Aufnahmen beider Kameras werden intern zu einem Bild zusammengesetzt:

Bei 360-Grad-Aufnahmen sind aber natürlich nicht nur die Detailwiedergabe und der Dynamikumfang von Bedeutung, sondern auch die Stitching-Qualität. Dies bedeutet, wie gut die beiden Einzelaufnahmen zusammengesetzt werden. Typischerweise schneiden moderne 360-Grad-Kameras hier gut ab, wenn sich das Motiv nicht allzu nah an der Kamera befindet. Da dies bei einer Drohne normalerweise nicht der Fall ist, weisen die Dateien in den meisten Situationen nur wenig erkennbare Fehler auf. Einzig bei Aufnahmen, bei denen sich die Sonne mittig im Bild befindet, konnten wir gut sichtbare Störungen erkennen.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen der DJI Avata 360 in voller Auflösung:

Zwei unbearbeitete 360-Grad-Aufnahmen mit 120 Megapixel:

Zwei unbearbeitete 360-Grad-Aufnahmen mit 120 Megapixel:

Zwei unbearbeitete 360-Grad-Aufnahmen im RAW-Format:

Zwei unbearbeitete 360-Grad-Videos in 8K-Auflösung:

Zwei bearbeitete Videos in 4K-Auflösung mit Effekten:

Zwei 4K-Videos: Links eine Quickshot-Aufnahme und rechts eine Einzelobjektiv-Aufnahme:

Im dritten Teil unseres Testberichts der Avata 360 gehen wir unter anderem auf die Flugeigenschaften und die Arbeit mit 360-Grad-Dateien ein.

Autor: dkamera.de Redaktion