Teil 3 von 3: Der Bildqualitätstest, Beispielaufnahmen und unser Fazit
Nachdem wir im zweiten Teil unseres Testberichts der Insta360 X5 die Bedienung und unterschiedliches Zubehör vorgestellt haben, nehmen wir in diesem dritten und letzten Teil die Bildqualität bei Foto- sowie Videos unter die Lupe. Zudem testen wir die Aufnahmedauer sowie die Akkulaufzeit und ziehen ein Fazit.
Die Bildqualität:
Zunächst sei an dieser Stelle einmal erwähnt, dass sich die Bildqualität einer 360-Grad-Kamera nur bedingt mit einer klassischen Kamera vergleichen lässt. Eine Auflösung von 72 Megapixel klingt zunächst einmal nach vielen Bildpunkten, praktisch ist die Auflösung aber vergleichsweise gering. Die Pixelzahl gilt schließlich für beide Fisheye-Objektive. Deren Bildwinkel ist viel größer der Bildwinkel von „normalen“ Fisheye-Objektiven (Fullframe-Fisheye) oder gar von Weitwinkelobjektiven. Würde man bei einer 360-Grad-Kamera die gleiche „Pixeldichte“ wie bei einem Weitwinkelobjektiv erzielen wollen, wäre eine vielfach höhere Auflösung notwendig. Kurz gesagt gilt: Die Detailwiedergabe einer 360-Grad-Kamera fällt bei üblichen Auflösungen stets geringer als bei einer klassischen Kamera aus.
Wer bei der Insta360 X5 die bestmögliche Detailwiedergabe erhalten möchte, muss sich in aller Regel für die höchstmögliche Auflösung entscheiden. Das gilt im Besonderen für Fotos. Diese zeigen bei 72 Megapixel so viel mehr Details, dass man die 18-Megapixel-Option meistens ignorieren kann. Eine Ausnahme stellen Situationen dar, in der ein besonders großer Dynamikumfang benötigt wird. Dafür bietet die Insta360 X5 die Möglichkeit zur Aufnahme von Belichtungsreihen an. Hier ist man auf 18 Megapixel beschränkt, kann sich jedoch für drei, fünf oder sieben Einzelbilder entscheiden. Diese rechnet die Kamera intern zusammen und erstellt ein HDR-DNG. Dadurch erhält man einen größeren Bearbeitungsspielraum und in manchen Bildbereichen auch etwas mehr Details. In den meisten Situationen sind Fotos mit 72 Megapixel jedoch die bessere Wahl. Hier sollte aber natürlich „HDR“ aktiviert sein. Von Nachteil ist bei Belichtungsreihen die lange Aufnahmedauer, bei fünf Bildern beträgt diese beispielsweise rund 20 Sekunden. Ohne Belichtungsreihe sind es bei 18 Megapixel nur sechs Sekunden und selbst bei 72 Megapixel (HDR jeweils an) nur 15 Sekunden. Die genannten Zeiten muss man in jedem Fall abwarten, bevor eine neue Aufnahme gemacht werden kann. Wir würden uns noch kürzere Bearbeitungszeiten wünschen, als K.-o.-Kriterium sehen wir diese allerdings auch nicht.
Bei 360-Grad-Videos stellt 8K die höchste Auflösung dar, zudem kann man sich für 5,7K+, 5,7K und 4K entscheiden. Bei 5,7K+ wird der Sensor komplett ausgelesen, bei 5,7K wird von der X5 ein Pixel-Binning-Verfahren genutzt. Aufnahmen mit der 5,7K-Option zeigen dadurch etwas weniger Details, können jedoch in HDR und mit doppelt so hoher Bildrate erfolgen (bis zu 60 statt 30 Vollbilder pro Sekunde). Da der Dynamikumfang bei 360-Grad-Aufnahmen meistens nie groß genug sein kann und 60 Vollbilder pro Sekunde bei Bewegungen stets für ein flüssiges Bild sorgen, würden wir uns im Alltag in der Regel für 5,7K-Aufnahmen mit HDR und 60 Vollbildern pro Sekunde entscheiden. Hier fällt die Detailwiedergabe noch ausreichend gut aus. Bei 4K sieht das schon anders aus: Feine Details gibt die Kamera bei dieser Auflösung leider nicht mehr wieder.
Warum eine sehr hohe Auflösung auch bei Videos relevant ist, wird einem schnell bei der nachträglichen Bearbeitung der Aufnahmen klar. In aller Regel wird nicht das gesamte 360-Grad-Bild genutzt, sondern ein Ausschnitt verwendet. Dieser zeigt bei einem Sportler beispielsweise diesen selbst oder dessen Perspektive. Der Bildwinkel ist dabei im Regelfall wesentlich enger und die Pixelzahl dieses Ausschnitts effektiv viel geringer als die Aufnahme-Auflösung. Wer Videos beispielsweise nur in 4K-Auflösung speichert, landet bei einem engen Sichtfeld (in der Insta360-Studio-Software stehen „MEGA“, „ULTRA“, „DEWARP“ zur Wahl) schnell unter dem Niveau von Full-HD. Damit kann man in manchen Situationen zwar noch auskommen, mehr Pixel wären jedoch zweifellos schöner. Bei 8K- und 5,7K-Auflösung sind die Reserven größer. Einzelobjektiv-Aufnahmen sind grundsätzlich nur in 4K möglich, die nachträgliche Wahl des Ausschnitts lässt die Qualität in aller Regel deutlich unter das Qualitätsniveau einer klassischen Actionkamera sinken.
Bei wenig Licht erreicht die Insta360 X5 immer noch eine vergleichsweise gute Bildqualität, die recht großen Sensoren machen dies möglich. Trotzdem muss man sagen, dass 360-Grad-Kameras allgemein eher für Aufnahmen bei Tag gedacht sind und die Qualität bei wenig Licht (wie bei klassischen Actionkameras) sichtbar leidet. Der PureVideo-Modus sorgt bei Nacht zwar für ein helleres Bild, die angewandte Rauschreduzierung wirkt sich allerdings teilweise negativ auf die Detailwiedergabe aus. Bei Nachtfotos bietet sich die Aufnahme im RAW-Format an, das Bildrauschen kann dann mit KI-Tools signifikant reduziert werden.
Am Ende unseres Bildqualitätsvergleichs wollen wir zudem noch auf das Stitching der Aufnahmen, die allgemeine Belichtung sowie Abbildungsfehler des Objektivs eingehen. Das sogenannte Stitching, also das Zusammensetzen der beiden Fisheye-Aufnahmen zu einem Bild, funktionierte im Test sehr oft ohne größere Probleme oder stärker auffallende Störungen. Zoomt man etwas stärker in die Aufnahmen hinein, kann man hier und da aber durchaus kleinere „Problemstellen“ erkennen, wenn sich Motive näher an der Kamera befinden. Unser Tipp: Optimalerweise sollte die Kamera so eingerichtet/verwendet werden, dass man bei der Aufnahme direkt in eines der beiden Objektive blicken kann. Dieses Vorgehen reduziert Probleme.
Gut gelöst hat Insta360, dass der Selfiestick oder der Throwpod bei Aufnahmen in der Hand normalerweise nicht zu erkennen sind. Hält man die Kamera direkt in der Hand, sieht dies schon anders aus. Der Einsatz eines Selfiesticks ist daher zu empfehlen. Ansprechend finden wir die vergleichsweise selten sichtbaren Abbildungsfehler. Chromatische Aberrationen treten nur in Extremsituationen auf, Flares sieht man auch bei direkter Sonneneinstrahlung recht wenige. Der Umfang ist auf jeden Fall nicht störend. Gleichwohl muss am Ende gesagt werden, dass die standardmäßige Bildabstimmung doch etwas zu kontrastreich sowie zu stark gesättigt wirkt. Hier kann man sich bei Bildern mit dem RAW-Format jedoch sehr gut behelfen. Bei Videos gibt es immerhin ein paar Optionen. Zumindest, sofern keine HDR-Aufnahmen erfolgen. Hier fallen leider fast alle Optionen weg. Dies finden wir schade.
Mit einer Akkuladung sind bei der Insta360 X5 8K-Videos mit einer Länge von 84 Minuten möglich. Ohne aktive Kühlung (ein wenig Fahrtwind reicht dafür schon aus) schafft die 360-Grad-Kamera diese Aufnahmen aber nicht am Stück. Bei 22 Grad Umgebungstemperatur schaltete die X5 im Test wegen Überhitzen nach 36 Minuten ab. In 5,7K-Auflösung kann man mit 60 Vollbildern pro Sekunde und HDR dagegen problemlos für deutlich länger als eine Stunde filmen. Sehr gut: Das Aufladen des 2.400mAh starken Akkus dauerte im Test beim Einsatz eines Netzteils mit "PD3.0 PPS"-Standard nur kurze 32 Minuten.
Unbearbeitete Beispielaufnahmen (360 Grad) der Insta360 X5 im JPEG-Format:
Zwei JPEG- und RAW-Aufnahmen:
Unser Fazit:
Die Insta360 X5 ist eine Kamera, die Spaß macht und einzigartige Aufnahmen ermöglicht. Dank ihrer beiden Fisheye-Objektive lässt sich die komplette Welt um einen herum einfangen. Dieses Material lässt sich aber nicht nur für 360-Grad-Aufnahmen nutzen, sondern man kann auch einen bestimmten Ausschnitt wählen. Dadurch lassen sich mit nur einer Kamera sehr abwechslungsreiche Aufnahmen erstellen. Das Zuschneiden des Bildes kostet aber natürlich Auflösung, weshalb wir uns zumindest bei Fotos bis auf wenige Ausnahmen für die maximale Auflösung von 72 Megapixel entscheiden würden. Wer stets den größtmöglichen Dynamikumfang erhalten will, muss dagegen mit 18 Megapixel auskommen. Hierauf ist der Belichtungsreihen-Modus begrenzt. Dies finden wir nicht optimal.
Bei Videos stellt aus unserer Sicht die 5,7K-Auflösung in aller Regel die beste Option dar. Hier kann man nicht nur mit 60 Vollbildern pro Sekunde filmen, sondern auch noch HDR-Aufnahmen erstellen. In 8K-Auflösung muss man auf HDR verzichten und ist die Bildrate auf maximal 30 Vollbilder pro Sekunde begrenzt. Die beste Bildqualität lässt sich mit der Insta360 X5 natürlich bei Tag erzielen, bei Nacht schneidet die Kamera im Vergleich zu anderen Modellen aber immer noch überdurchschnittlich ab. Gut gefällt uns bei der 360-Grad-Kamera auch das meistens fehlerfreie Stitching der Einzelbilder und das Selfiesticks nahezu unsichtbar herausgerechnet werden. Flares oder andere Störungen bekommt man ebenso kaum zu Gesicht.
Die Bedienung der Insta360 X5 ist komfortabel, neben den Tasten erfolgen Eingaben über ein großes Touchschreen-Display. Das Menü hat Insta360 übersichtlich gestaltet, Optionen findet man schnell. Davon gibt es auch einige, nur bei HDR-Videos würden wir uns mehr Einstellungen wünschen. Gut gelungen ist die Steuerung per Sprache und mittels Gesten, bei der eigentlich guten App störten uns im Test die auftretenden Verbindungsabbrüche. Keine Probleme gab es beim Einsatz der Insta360-Studio-Software. Damit kann man einige Bearbeitungen vornehmen. Sehr positiv sind uns im Test auch die lange Akkulaufzeit (84 Minuten bei 8K30p) und die kurze Ladedauer (32 Minuten von leer bis voll) aufgefallen.
Wirklich sehen lassen kann sich zudem das angebotene Zubehör: Dazu gehören unter anderem der lange Extended Edition Selfie Stick, der flexibel nutzbare Throwpod oder das Replacement Lens Kit. Dass man die Frontlinsen der Insta360 X5 selbst tauschen kann, ist gegenüber anderen 360-Grad-Kameras zweifellos ein großer Vorteil.