17.12.2025 - 07:38

Die Insta360 X4 Air 360-Grad-Kamera im Test (Teil 3)

Teil 3 von 3: Der Bildqualitätstest, Beispielaufnahmen und unser Fazit

Nachdem wir im zweiten Teil unseres Testberichts der Insta360 X4 Air die Bedienung und unterschiedliches Zubehör vorgestellt haben, prüfen wir in diesem dritten und letzten Teil die Bildqualität bei Fotos sowie Videos. Zudem testen wir die Aufnahmedauer sowie die Akkulaufzeit und ziehen ein Fazit.

Die Bildqualität:
360-Grad-Kameras setzen sich von klassischen Actionkameras unter anderem durch eine wesentlich höhere Auflösung bei Fotos und Videos ab. Ebendiese Daten darf man mit normalen Actionkameras aber nicht vergleichen, da die Werte für beide Objektive und die Darstellung der kompletten Umgebung gelten. Entscheidet man sich nachträglich für einen Ausschnitt, der in etwa dem Bildwinkel eines herkömmlichen Weitwinkelobjektivs entspricht, sinkt die reale Auflösung stark ab. Es ist daher grundsätzlich sehr sinnvoll, dass Insta360 auch bei der X4 Air die Aufnahme von 8K-Videos erlaubt.

Hier bekommen Nutzer mit Abstand am meisten Details zu Gesicht, weshalb 8K im Regelfall die beste Aufnahmeauflösung darstellt. Bei 6K lässt die Bildschärfe im direkten Vergleich nach und werden feine Strukturen nicht mehr so gut wiedergegeben. Sinnvoll sind 6K-Aufnahmen daher nur, wenn man höhere Bildraten als 30 Fps (maximal sind 50 möglich) benötigt. Das ist bei schnellen Bewegungen von Vorteil und erlaubt auch Zeitlupeneffekte.

Die 4K-Aufnahmen der Insta360 X4 Air lassen Details vermissen, praktisch sehen wir wegen der ebenfalls auf 50 Vollbilder pro Sekunde begrenzten Bildrate keinen Vorteil gegenüber der 6K-Auflösung. Grundsätzlich gilt es bei der X4 Air noch zu bedenken, dass HDR-Videos unabhängig von der Auflösung nur bis 30 Vollbilder pro Sekunde angeboten werden. Die HDR-Aufnahme ist bei Szenerien mit großen Helligkeitsunterschieden eigentlich Pflicht, wenn helle Teile des Bildes nicht völlig ausbrennen sollen. Der Dynamikumfang fällt bei der Insta360 X4 Air für eine Kamera der günstigeren Klasse mit aktiver HDR-Funktion ansprechend aus, an die X5 kommt die kleinere Actionkamera allerdings nicht heran. Verwunderlich ist dies wegen der kleineren Bildwandler aber natürlich nicht.

Die 1/1,8-Zoll-Sensoren sorgen bei schlechteren Lichtverhältnissen zudem für ein schneller ansteigendes Bildrauschen. Dass Insta360 bei der X4 Air auf den PureVideos-Modus verzichtet, wirkt sich dadurch gleich doppelt negativ aus. Für schlechtere Lichtsituationen ist die X5 der X4 Air also deutlich vorzuziehen. An dieser Stelle sei jedoch auch erwähnt, dass 360-Grad-Kameras grundsätzlich kaum für Aufnahmen bei wenig Licht geeignet sind. Letzten Endes gilt es bei Aufnahmen den besten Kompromiss zu finden. Aus unserer Sicht sollte man sich – abhängig von der konkreten Situation und den Bedürfnissen des Nutzers – fast immer für 8K30p oder 6K50p entscheiden.

Die HDR-Funktion sorgt für einen deutlich größeren Dynamikumfang:

Ohne HDR können unter anderem helle Bildbereiche ausbrennen:

Bei Fotos ist die Insta360 X4 Air – anders als beispielsweise die X5 – auf 29 Megapixel beschränkt. Diese Auflösung ist für hochauflösende Bilder zu wenig, beim stärkeren Zoomen werden schnell Pixel bzw. Artefakte sichtbar. Mit der HDR-Funktion kann man den Dynamikumfang immerhin deutlich vergrößern und das Ausbrennen von hellen Bildbereichen wirksam verhindern. Der oben gezeigte Bildvergleich (Ausschnitt mit 1.920 x 1.080 Pixel aus einer 360-Grad-Aufnahme) stellt dabei den Extremfall dar. Hier ist ohne HDR-Funktion keine sinnvolle Aufnahme möglich. Mit an Bord sind bei der Kamera zudem Belichtungsreihen sowie die RAW-Aufnahme. Dieses Angebot an Optionen kann sich durchaus sehen lassen und ermöglicht umfangreiche Nachbearbeitungen. Wer mit 7.680 x 3.840 Pixel leben kann, erhält mit der X4 Air daher insgesamt betrachtet ein solides Fotowerkzeug. Dies gilt grundsätzlich auch wegen des soliden Stitchings. Größere Fehler bekommt man nur bei sehr nahen Motiven zu sehen.

Zwei Aufnahmen mit einem Einzelobjektiv: Rechts 4K60p und rechts 1080p60:

Die Qualität von Aufnahmen mit einem Einzelobjektiv bewegt sich auf einem akzeptablen bis guten Niveau. Sowohl die Fotos als auch die Videos kann man problemlos nutzen, an klassische Actionkameras kommen sie aufgrund der recht geringen Auflösung jedoch nicht heran.

Als Energiespeicher dient bei der Insta360 X4 Air ein 2.010mAh starkes Lithium-Ionen-Modell. Dieses wird in der Kamera per USB-C aufgeladen. Laut Herstellerangabe sind mit einer Akkuladung bis zu 88 Minuten lange Aufnahmen bei 8K30p möglich. Bei unserem Test kamen wir auf sehr ähnliche 86 Minuten. Selbst lange Aufnahmen sind dadurch kein Problem. Die X5 hält trotz ihres um rund 20 Prozent größeren Akkus (2.400mAh) mit 84 Minuten sogar nur ein wenig kürzer durch. Im Alltag schafft man die genannten Zeiten allerdings nicht in jedem Fall am Stück. Hohe Temperaturen können die Aufnahmezeit verkürzen. Bei unserem Test mit 20 Grad Umgebungstemperatur gab es bei der X4 Air jedoch keine Probleme. Die Kamera filmte, bis der Akku leer war. Das galt auch für 6K-Aufnahmen mit 50 Vollbildern pro Sekunde (= 82 Minuten möglich).

Der Akku erlaubt lange Aufnahmezeiten und kann recht schnell wiederaufgeladen werden:

Sehr ordentlich schneidet die Insta360 X4 Air auch beim Aufladen des Akkus in der Kamera ab, wenngleich sie nicht an die X5 herankommt. Wird ein USB-PD-fähiges Netzteil verwendet, lässt sich ein leerer Akku in 20 Minuten auf 50 Prozent aufladen und in 35 Minuten auf 80 Prozent. Das schnelle Zwischenladen ist also durchaus möglich. Zum kompletten Aufladen des Akkus nimmt sich die Kamera 55 Minuten Zeit.

Unbearbeitete Beispielaufnahmen (360 Grad) der Insta360 X5 im JPEG-Format (HDR):

JPEG- und RAW-Aufnahme der Insta360 X4 Air (360-Grad):

Zwei 360-Grad-Aufnahmen in 8K-Auflösung mit 30 Vollbildern pro Sekunde:

Zwei 360-Grad-Aufnahmen: Links in 8K (30p und HDR), rechts in 6K (50p):

Zwei 360-Grad-Aufnahmen: Links in 4K (50p), rechts in 6K (50p):

Unser Fazit:
Insta360 hat mit der X4 Air eine neue 360-Grad-Kamera im Angebot, die mit einem geringeren Preis und einem kleineren sowie leichteren Gehäuse als Alternative zum Flaggschiff Insta360 X5 erworben werden kann. Während das kleinere und leichtere Gehäuse für die meisten wohl kaum der wichtigste Kaufgrund sein dürfte, sieht dies beim Preis etwas anders aus. Im Vergleich zum Flaggschiff lässt sich rund 100 Euro sparen (typische Differenz Ende 2025), die X4 Air ist daher für Personen mit einem etwas kleineren Budget interessant. Die gleiche Leistung wie die X5 hat die X4 Air natürlich nicht zu bieten, abhängig von der Aufnahmesituation sind die Unterschiede mal größer und mal kleiner.

Die X4 Air speichert 8K-Videos, sehr hohe Bildraten oder hohe Fotoauflösungen fehlen jedoch:

Bei guten Lichtverhältnissen liefert die 360-Grad-Kamera dank 8K-Auflösung scharfe Videos, dank HDR-Funktion sind auch größere Helligkeitsunterschiede kein Problem. HDR-Aufnahmen erlaubt die X4 Air anders als die X5 allerdings bis maximal 30 Bilder pro Sekunde. Bei höheren Bildraten muss man daher mit einem kleineren Dynamikumfang vorliebnehmen. Verzichten müssen Videografen bei der Kamera zudem auf höhere Bildraten als 50 Vollbilder pro Sekunde.

Die kleineren Bildwandler der X4 Air sorgen bei wenig Licht darüber hinaus für den schnelleren Anstieg des Bildrauschens. Dass Insta360 auf die Integration des PureVideo-Modus verzichtet hat, ist daher doppelt negativ. Die X4 Air bietet sich somit vor allem für Aufnahmen bei ausreichend Licht an. Das gilt auch für Fotos. Mit der RAW-Aufnahme und Belichtungsreihen bietet die Kamera bei Bildern ein durchaus ansprechendes Paket, HDRs sind ebenso möglich. Die Auflösung der Fotos liegt mit 29 Megapixel allerdings nicht oberhalb der Videofunktion und bleibt somit deutlich hinter der X5 mit 72 Megapixel zurück. Das wird bei der Detailwiedergabe deutlich sichtbar. Sofern 29 Megapixel für die eigenen Einsatzzwecke ausreichend sind, macht die X4 Air jedoch einen guten Job.

Das Design ist bekannt, das Gehäuse robust gebaut und die Aufnahmezeit fällt lang aus:

Beim robusten Gehäuse hat sich Insta360 für ein leicht geändertes Design entschieden, die weggefallene dedizierte Menütaste ändert nicht viel. Grundsätzlich kann man die 360-Grad-Kamera sehr gut bedienen, das Touchscreen-LCD weiß sowohl bei Eingaben als auch bei der Bildkontrolle zu gefallen. Sehr lobenswert sind des Weiteren die lange Akkulaufzeit und die recht kurze Aufladezeit des Akkus (bis 80 Prozent) in der Kamera. Darüber hinaus punktet die X4 Air mit zahlreichen Optionen und vielen Einstellungen im Menü. Per App und mit der Desktop-Software Insta360 Studio lassen sich zudem vielfältige Bearbeitungen vornehmen. Aktuell stellt das Software-Angebot von Insta360 den Benchmark für die Konkurrenz dar.

Die dkamera.de Awards zur 360-Grad-Kamera Insta360 X4 Air:

Autor: dkamera.de Redaktion