Teil 3 von 3: Der Bildqualitätstest, Beispielaufnahmen und unser Fazit
Nachdem wir uns im zweiten Teil unseres Testberichts der DJI Osmo 360 II mit der Bedienung und unterschiedlichem Zubehör beschäftigt hatten, prüfen wir im dritten und letzten Teil die Bildqualität bei Foto- und Videoaufnahmen. Außerdem nehmen wir die Aufnahmezeit sowie die Akkulaufzeit der Kamera unter die Lupe.
Bei der Osmo 360 II setzt DJI auf bekannte Hardware. Die beiden Fisheye-Objektive mit einer Blende von F1,9 sollten den Objektiven der Osmo 360 entsprechen und auch von den Bildwandlern sind uns keine Neuerungen bekannt. Es handelt sich um quadratische Sensoren der 1/1,1-Zoll-Klasse. Die maximale Auflösung der verwendeten Sensoren wird von DJI nicht genannt, die hohe Auflösung der Fotos und Videos lässt aber eine Auflösung im höheren zweistelligen Megapixelbereich vermuten. Bei Fotoaufnahmen bietet die DJI Osmo 360 II wie das Vorgängermodell zwei Auflösungen an: 15.520 × 7.760 Pixel (120 Megapixel) oder 7.776 x 3.888 Pixel (30 Megapixel). Während man sich beim Vorgängermodell nur bei 30 Megapixel für die HDR-Option entscheiden konnte, unterstützt die Osmo 360 II diese Funktion auch bei 120 Megapixel. Ein Update gab es zudem bei den Bildformaten. RAWs sind anders als bei der Osmo 360 nun möglich, allerdings auf 30 Megapixel begrenzt.
Wer Fotos mit der maximalen Detailwiedergabe aufnehmen möchte, muss bei der DJI Osmo 360 II auf jeden Fall zur vollen Auflösung greifen. Bei 120 Megapixel werden feine Details sichtbar besser als bei 30 Megapixel wiedergegeben. Dank HDR-Option sind dabei keine Abstriche beim Dynamikumfang nötig. Da die HDR-Option das Ausbrennen heller Bildbereiche und zudem das Bildrauschen deutlich verringert, würden wir darauf nicht verzichten. Zeit muss man hier allerdings einige mitbringen. Statt rund acht Sekunden (ohne HDR) nehmen Bilder mit HDR etwa 16 Sekunden in Anspruch. Das halten wir doch für etwas lang. Schade ist bei der Osmo 360 II zudem, dass RAW-Bilder nur bei 30 Megapixel möglich sind. Somit muss man sich zwischen der bestmöglichen Qualität und größeren Nachbearbeitungsmöglichkeiten entscheiden.
Keine Einschränkungen ergeben sich bei Videoaufnahmen. Die DJI Osmo 360 II filmt in 8K-Auflösung (7.680 x 3.840 Pixel) mit der höchsten klassischen Bildrate von 60 Vollbildern pro Sekunde. Die 6K-Option mit 6.000 x 3.000 Pixel und ebenfalls bis zu 60 Vollbildern pro Sekunde ist aus unserer Sicht daher kaum interessant. Hier werden weniger Details aufgelöst. Wer eine noch höhere Bildrate benötigt, wechselt zum Zeitlupenmodus. Hier kann man bei 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) bis zu 240 Vollbilder pro Sekunde aufnehmen. Dies reicht für 8-fache Zeitlupen und damit einen sehr ansprechenden Zeitlupeneffekt. Da die rund acht Millionen Bildpunkte weiterhin die gesamte Umgebung abdecken, fällt die Qualität der Aufnahmen aber schon sichtbar schlechter als bei 8K- oder 6K-Auflösung aus. Die deutlich höhere Bildrate macht daher größere Abstriche bei der Bildqualität notwendig. Umgerechnet auf den finalen Bildausschnitt erhält man nur noch rund HD- bis Full-HD-Auflösung. Bei 8K-Aufnahmen bewegt man sich dagegen auf Full-HD- bis 4K-Niveau. Wir würden uns in der Praxis daher stets für die maximale Auflösung entscheiden.
Für Aufnahmen bei wenig Licht verfügt die DJI Osmo 360 II wie ihr Vorgängermodell – sowie einige weitere Kameras von DJI – über den SuperNight-Modus. Dieser sorgt für deutlich hellere Aufnahmen und ein geringeres Bildrauschen. Details bekommt man hier ebenfalls mehr zu sehen. Die Abbildungsleistung der beiden Fisheye-Objektive ist grundsätzlich gut, Flares und chromatische Aberrationen fallen kaum auf. Das Stitching der beiden Einzelbilder funktioniert bei größeren Motiventfernungen solide, bei näheren Motiven sind verstärkt "Übergänge" zu erkennen. Das gilt auch für den Einsatz des Invisible Selfie-Sticks. Grundsätzlich empfiehlt DJI einen Motivabstand von mindestens 75cm. Wie bei allen 360-Grad-Kameras ist es zudem sinnvoll, die Kamera so zu drehen, dass das Hauptmotiv zentral von einem der beiden Objektive aufgenommen wird.
Wer die DJI Osmo 360 II als klassische Actionkamera nutzen möchte, kann dies natürlich auch. Dafür gibt es den Einzelobjektivmodus. Hier lassen sich Fotos mit 30 Megapixel und Videos mit bis zu 3.840 x 2.880 Pixel (max. 60p) aufnehmen. Entscheidet man sich für den Boost-Modus mit 170 Grad großem Bildwinkel, kommt man in 4K zudem auf bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde.
Wegen des großen Bildwinkels eines Fisheye-Objektivs fällt die Bildqualität der Actionkamera im Einzelobjektivmodus nur „akzeptabel“ aus. Natürlich lassen sich diese Aufnahmen verwenden, Details bekommt man im Vergleich zu klassischen Actionkameras aber deutlich weniger zu Gesicht. Für die ein oder andere Aufnahme ist die Osmo 360 II als normale Actionkamera natürlich brauchbar, wirklich sinnvoll ist jedoch nur der Einsatz als 360-Grad-Kamera.
Kleine Kameras, die Aufnahmen mit hohen Bildraten und Auflösungen aufzeichnen, neigen schnell zum Überhitzen. Derart schnell wie die Wärme durch den Sensor und den Bildprozessor entsteht, kann diese über die kleine Oberfläche nicht abgeführt werden. Die DJI Osmo 360 II filmt in 8K-Auflösung mit 60 Vollbildern pro Sekunde für 22 Minuten am Stück. Danach wird die Aufnahme wegen einer zu hohen Temperatur beendet. Zum Vergleich: Die Osmo 360 schaffte bei unserem letzten Test nur acht Minuten. Bei 6K60p kamen wir mit der Osmo 360 II auf etwas längere 27 Minuten bei Zeitlupenaufnahmen in 4K-Auflösung mit 240 Vollbildern pro Sekunde waren 24 Minuten am Stück möglich. Alle Messungen erfolgten bei 23 bis 24 Grad Umgebungstemperatur sowie ohne Airflow. Mit Airflow sind deutlich längere Aufnahmezeiten möglich, direkte Sonneneinstrahlung sowie höhere Temperaturen wirken sich aber natürlich negativ auf die Aufnahmedauer auf.
Sofern für eine ordentliche Kühlung gesorgt ist, filmt die DJI Osmo 360 II mit einer Akkuladung 57 Minuten. Die Osmo 360 wird somit um sieben Minuten übertroffen. Bei 6K60p kamen wir auf 64 Minuten und bei 4K240p auf 63 Minuten. Das Aufladen eines leeren Akkus dauerte im Test beim Einsatz eines leistungsstarken Netzteils (mit min. 30 Watt) nur elf Minuten von 0 auf 50 Prozent und 20 Minuten von 0 auf 80 Prozent. Für eine komplette Ladung muss man 36 Minuten warten. Da bei der von uns getesteten Adventure Combo drei Akkus enthalten sind, kann man ohne externe Stromversorgung (dazu zählt auch eine Powerbank) rund drei Stunden lange Videos erstellen. Das sollte für praktisch alle Zwecke ausreichen.
Bei der Aufnahme ist allerdings nicht nur der Akku zu bedenken, sondern auch der Speicher. 360-Grad-Aufnahmen nehmen aufgrund der hohen Auflösung viele Megabyte pro Minute ein. Bei der 8K60p-Aufnahme mit hoher Bitrate reichte der interne Speicher im Test für 68 Minuten. Der Erwerb einer microSD-Karte ist daher durchaus sinnvoll.
Beispielaufnahmen der DJI Osmo 360 II (Ausgabe der Videos mittels DJI Studio):
360-Grad-RAW-Aufnahme mit 30 Megapixel
Videoaufnahme in 8K-Auflösung (7.680 x 3.840 Pixel) mit 60 Vollbildern pro Sekunde
Videoaufnahme in 6K-Auflösung (6.000 x 3.000 Pixel) mit 60 Vollbildern pro Sekunde
Videoaufnahme in 4K-Auflösung (3.840 x 2.160 Pixel) mit 240 Vollbildern pro Sekunde
Videoaufnahme in 8K-Auflösung (7.680 x 3.840 Pixel) mit 60 Vollbildern pro Sekunde (D-Log M)
Videoaufnahme in 8K-Auflösung (7.680 x 3.840 Pixel) mit 60 Vollbildern pro Sekunde (SuperNight)
Bearbeitete Videoaufnahme in 8K-Auflösung (60p), ausgegeben in 4K-Auflösung
Unser Fazit:
Die Osmo 360 II ist DJIs zweite 360-Grad-Kamera, wenn man die Avata 360 als fliegendes Modell einmal außen vorlässt. An vielen Stellen setzt DJI bei der Osmo 360 II auf die Technik des Vorgängermodells. So kommen unter anderem bekannte Bildwandler des 1/1,1-Zoll-Standards zum Einsatz. An der höchsten Auflösung der Aufnahmen ändert sich daher nichts. Filmen kann man wie beim Vorgängermodell maximal in 8K-Auflösung, alternativ werden auch geringere Auflösungen angeboten. Während sich bei 6K mit bis zu 60p nichts ändert, lässt sich diese Bildrate nun aber auch bei 8K-Auflösung wählen. Die Osmo 360 erlaubte hier maximal 50 Vollbilder pro Sekunde. Das mag für Europäer, die mit dem PAL-Standard filmen, kein großer Vorteil sein, in der Praxis sind gleiche Bildraten für alle Auflösungen aber zweifellos besser. Darüber hinaus schafft die 360-Grad-Kamera nun eine deutlich höhere Bildrate in 4K. Hier lassen sich bis zu 8-fache Zeitlupen (240p) realisieren. Die Bildqualität hier im Vergleich zur 8K-Auflösung oder 6K-Auflösung stark abfällt, bleiben die extremen Zeitlupen der Osmo 360 II allerdings speziellen Situationen vorbehalten. In den meisten Fällen würden wir uns für 8K60p entscheiden.
Groß fällt bei der Kamera der Dynamikumfang aus, bis zu 14,5 Blendenstufen sind es laut DJI und damit etwas mehr als bei der Osmo 360 (13,5 Blendenstufen). Allerdings wird hierfür der D-Log-M-Bildstil benötigt. Im Alltag lässt sich das Ausbrennen heller Stellen zwar nicht immer verhindern, dies sieht man aber doch recht selten. Apropos Dynamikumfang: Bei Fotos kann man sich nun auch bei der 120-Megapixel-Option für HDR entscheiden und dadurch dunkle sowie helle Bildbereiche noch besser wiedergeben. Darauf würden wir im Alltag nicht verzichten. Aufnahmen dauern hier aber auch etwas lang (rund 16 Sekunden pro Bild).
Wer seine Aufnahmen nachträglich bearbeiten möchte, kann dafür das RAW-Format nutzen. Dessen Integration begrüßen wir, die Begrenzung auf 30-Megapixel-Fotos finden wir aber schade. Dadurch muss man sich zwischen der besten Bildqualität und den besten Nachbearbeitungsmöglichkeiten entscheiden.
Eine Problematik der Osmo 360 hat DJI dagegen ohne Abstriche gelöst: Die Linsen können nun selbstständig gewechselt werden. Das dürfte viele Nutzer erfreuen. Ansonsten hat DJI am Gehäuse keine größeren Änderungen vorgenommen. Die 360-Grad-Kamera ist weiterhin wasserdicht und zwischen minus 20 sowie 45 Grad einsetzbar, zur Bildkontrolle steht ein helles OLED-Display zur Verfügung und eine Akkuladung reicht für Videos von etwa einer Stunde. Selbst ohne Kühlung kann man dabei recht lange filmen. Unser Test ergab bei 8K60p mindestens 27 Minuten am Stück. Ist der Akku einmal leer, dauert das Aufladen von 0 auf 80 Prozent nur kurze 20 Minuten.
Am Ende unseres Tests lässt sich sagen, dass DJI die Osmo 360 II im Vergleich zum Vorgängermodell an mehreren Stellen verbessert hat. Das wichtigste Update sind die wechselbaren Linsen, große technische Neuerungen findet man abseits der HDR-Aufnahme bei 120-Megapixel-Fotos nicht. Die längere Aufnahmezeit und die höheren Bildraten nimmt man allerdings gerne mit. Wer eine neue 360-Grad-Kamera benötigt, erhält mit der Osmo 360 II das bessere Modell. Ein Upgrade vom Vorgängermodell auf die zweite Generation ist dagegen nur selten sinnvoll.