Die sechs wichtigsten Unterschiede der spiegellosen Systemkameras
Drei Jahre nach der Ankündigung der EOS R3 hat Canon mit der EOS R1 eine neue Flaggschiff-DSLM vorgestellt. Während die Bezeichnung des ersten spiegellosen Spitzenmodells allerdings noch Luft nach oben ließ, ist die EOS R1 nun eindeutig das beste spiegellose Modell des japanischen Unternehmens. In diesem Vergleich gehen wir auf die wichtigsten Unterschiede der beiden Systemkameras ein.
Weitere Informationen zu den Kameras erhalten Sie über folgende Links:
Ankündigung der Canon EOS R1
Datenblatt der Canon EOS R1
Testbericht der Canon EOS R3
Datenblatt der Canon EOS R3
Unterschied 1: Sensor und Verschluss
Moderne Kameras benötigen für Höchstleistungen Bildwandler, die möglichst schnell ausgelesen werden können. Bei der EOS R1 gewährleistet Canon dies durch die Integration eines neu entwickelten CMOS-Sensors mit rückwärtiger Belichtung und gestapelter Bauweise. Der als BSI Stacked CMOS-Sensor bezeichnete Bildwandler ermöglicht durch eine gesteigerte Auslesegeschwindigkeit einen um 40 Prozent reduzierten Rolling-Shutter-Effekt. Dadurch soll der elektronische Verschluss für nahezu keine Verzerrungen sorgen und das Niveau des mechanischen Verschlusses der EOS-1D X Mark III erreichen.
Die Auslesegeschwindigkeit des Sensors ist derart hoch, dass die EOS R1 eine Blitzsynchronzeit von 1/500 Sekunde beim Verwenden des elektronischen Verschlusses erreicht. Die Canon EOS R3 kommt nur auf eine 1/180 Sekunde. Die kürzesten Belichtungszeiten der Kameras unterschieden sich dagegen nicht: Mit 1/64.000 Sekunde (bzw. 1/8.000 Sekunde mit mechanischem Verschluss) bewegen sich diese auf einem Level. Gleich geblieben ist auch die Anzahl der Bildpunkte, Fotos speichern beide DSLMs mit 24 Megapixel. Den ISO-Wert kann man bei der EOS R1 allerdings um eine Stufe höher anheben (ISO 409.600 statt ISO 204.800).
Unterschied 2: Der Bildprozessor
Ein schnell auslesbarer Sensor nützt allerdings nur wenig, wenn die anfallenden Daten vom Bildprozessor nicht ausreichend schnell verarbeitet werden können. Um das bei der EOS R1 zu gewährleisten, setzt Canon nicht nur auf einen DIGIC X Prozessor, sondern auch auf einen DIGIC Accelerator Prozessor. Der Zusatzprozessor beschleunigt diverse Verarbeitungsprozesse und unterstützt dank Deep Learning noch weitere Features.
Dazu gehören die Rauschunterdrückung und die Hochskalierung mittels künstlicher Intelligenz. Die Rauschunterdrückungsfunktion kann die Bildqualität von RAW-Fotos laut Canon um etwa zwei Blendenstufen verbessern, mit der Hochskalierungsfunktion lässt sich die Auflösung von Bildern vervierfachen (= 96 Megapixel). Eine „echte“ High-Res-Funktion mittels Pixelshift bringt die EOS R1 wie die EOS R3 allerdings nicht mit.
Unterschied 3: Die Serienbildaufnahme
Von einer für Sport- und Actionaufnahmen gedachten Kamera erwartet man hohe Bildraten. Das war früher so und ist auch heute nichts anders. Fotoaufnahmen unterstützt die Canon EOS R1 mit bis zu 40 Bildern pro Sekunde, gegenüber der EOS R3 stellt das eine Steigerung von zehn Bildern pro Sekunde dar. Für beide Werte gilt, dass diese mit dem elektronischen Verschluss erreicht werden. Beim Einsatz des mechanischen Verschlusses liegen beide DSLMs mit zwölf Bildern pro Sekunde gleich auf. Eine Highspeed Burst-Funktion gibt es dagegen nur bei der EOS R3.
Verbesserungen sind beim neuen Flaggschiff auch von der Serienbildlänge zu berichten – zumindest teilweise. Die EOS R3 kommt laut Canon auf 540 JPEG- oder 150 RAW-Fotos in Folge, die EOS R1 soll 500 JPEGs oder 230 RAWs in Serie erreichen. Wer nur einen kurzen Moment festhalten möchte, kann bei der EOS R1 als Neuerung die Voraufnahme verwenden und damit 20 Bilder vor dem Drücken des Auslösers speichern.
Unterschied 4: Der Autofokus
Zur Fokussierung nutzt Canon bei beiden DSLMs in diesem Vergleich die Phasendetektion auf Sensorebene. Hier enden allerdings die Gemeinsamkeiten, denn die EOS R1 verfügt als erste spiegellose Systemkamera von Canon über ein neues Autofokussystem mit Kreuzsensoren. Dieses nutzt teilweise um 90 Grad gedrehte Pixel. Dadurch sollen Motive auch unter schwierigen Bedingungen optimal scharfgestellt werden können.
Für weitere Verbesserungen sorgt beim Dual Pixel Intelligent AF die noch feinere Motiverkennung. Anders als die EOS R3 kann die EOS R1 nicht nur das Gesicht und die Augen erkennen, sondern auch den Körper, die obere Körperhälfte und den Kopf. Das sorgt unter anderem für eine bessere Motivverfolgung, wenn das Motiv durch Hindernisse teilweise verdeckt wird. Darüber hinaus ist die Kamera in der Lage, mit der „Aktionspriorität“-Option die gängigen Spielabläufe beim Fußball, Basketball und Volleyball zu erkennen und das Hauptmotiv automatisch zu verfolgen. Abseits von Menschen hat Canon die Motiverkennung um Pferde, Flugzeuge und Züge erweitert.
Der Eye-Control AF ist bei der EOS R1 genauso wie bei der EOS R3 mit an Bord, ein Sensor mit höherer Pixelzahl, verbesserte LEDs, ein größerer Erkennungsbereich und ein aktualisierter Algorithmus sollen allerdings für präzisere Ergebnisse sorgen.
Unterschied 5: Sucher und Display
Unterschiede gibt es auch beim Sucher und dem Display. Der Sucher zeigt durch die höhere Vergrößerung (0,9-fach statt 0,76-fach) nicht nur ein deutlich größeres Bild, das verwendete OLED-Panel löst mit 9,44 Millionen Subpixel statt 5,76 Millionen Subpixel auch wesentlich höher auf. Ein derart hoch aufgelöstes Modell kam bislang bei keiner Kamera von Canon zum Einsatz.
Beim Display geht Canon dagegen einen anderen Weg und hat die Auflösung nicht erhöht, sondern gesenkt. Während bei der EOS R3 ein LCD mit 4,15 Millionen Subpixel verbaut ist, kommt bei der EOS R1 "nur" ein Modell 2,1 Millionen Subpixel zum Einsatz. Die Halbierung der Pixelzahl begründet Canon nicht weiter, mit 2,1 Millionen Subpixel fällt die Auflösung aber immer noch sehr hoch aus. Für beide LCDs gilt, dass sie sich drehen und schwenken lassen.
Unterschied 6: Gehäuse und Speicherkartenslots
Die Gehäuse beider Systemkameras bestehen jeweils aus einer Magnesiumlegierung sowie Polykarbonat mit Glasfasern und sind natürlich gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet. Die EOS R1 fällt mit Abmessungen von 15,8 x 15,0 x 8,7cm einen Tick größer als die EOS R3 (15,0 x 14,3 x 8,7cm) aus, auf der Waage ergibt sich ein Unterschied von 100g (1.115g vs. 1.015g).
Kleine Abweichungen gibt es auch bei der Platzierung der Tasten. Die allermeisten Bedienelemente liegen jedoch an den bekannten Stellen.
Während diesen Abweichungen allerdings keine größere Bedeutung beizumessen ist, sieht es bei den Speicherkartenslots anders aus. Mit zwei CFexpress Typ-B-Slots verfügt die EOS R1 über eine deutlich leistungsfähigere Speicherkartenanbindung, bei der EOS R3 kommen ein CFexpress Typ-B-Slot und ein SD-Slot zum Einsatz. Dadurch kann man Videos mit hohen Bitraten auf beiden Karten parallel speichern und profitiert bei kamerainternen Backups von einer wesentlich höheren Schreibgeschwindigkeit.
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