Teil 3 von 3: Die Bedienung und Bildkontrolle im Vergleich sowie unser Fazit
Nachdem wir im zweiten Teil dieses Vergleichstests des Xiaomi 15 Ultra und der Sony RX100 VII die Bildqualität bei Fotos verglichen haben, prüfen wir in diesem dritten und letzten Teil nun die Videofunktionen sowie die Bedienung. Am Ende ziehen wir zudem ein Fazit.
Die Videofunktion:
Was die Videofunktion anbelangt, haben moderne Smartphones der High-End-Klasse in der Regel mehr Funktionen als vergleichbar teure Kameras zu bieten. Das zeigt sich bei diesem Vergleich besonders, da die Sony RX100 VII schon zu den älteren Modellen gehört. Mit maximal 30 Vollbildern pro Sekunde in 4K-Auflösung hat sie daher keine besonders ansprechende Bildrate zu bieten. Die Qualität ist dank Oversampling jedoch sehr hoch, einen Crop gibt es nicht. Beim Xiaomi 15 Ultra sieht das anders aus. Das Smartphone speichert mit allen seinen Kameras 8K-Videos mit bis zu 30 Vollbildern pro Sekunde. Diese Videos lösen viermal höher als 4K-Aufnahmen auf und bieten folglich eine deutlich bessere Detailwiedergabe. Als Nachteile sind allerdings ein sichtbarer Crop sowie ein vergleichsweise starker Rolling-Shutter-Effekt hinzunehmen.
Beispielaufnahme des Xiaomi 15 Ultra in 8K-Auflösung (Weitwinkelkamera)
Beispielaufnahme der Sony RX100 VII (24mm)
In 4K-Auflösung fallen diese Nachteile deutlich weniger auf. Mit 60 Vollbildern pro Sekunde kann man zudem mit jeder Kamera deutlich flüssigere Videos aufzeichnen. Die Bildqualität bleibt dabei hoch. Wer die Hauptkamera oder die 4,3-fach-Telekamera verwendet, kann sich in 4K sogar für bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde entscheiden. Das reicht auch für sehr ansprechende Zeitlupenaufnahmen.
Beispielaufnahme des Xiaomi 15 Ultra in 8K-Auflösung (4,3-fach-Telekamera)
Beispielaufnahme der Sony RX100 VII (200mm)
Apropos Zeitlupe: Diese Videos sind mit dem 15 Ultra mit bis zu 960 Vollbildern pro Sekunde in Full-HD möglich. Die RX100 VII liegt mit bis zu 1.000 Bildern in Full-HD ebenso auf diesem Level. Beide Geräte ermöglichen dadurch extreme Zeitlupeneffekte.
Die Bildqualität fällt hier jedoch deutlich ab. Bildrauschen und Artefakte sind nicht zu übersehen, die Detailwiedergabe ist vor allem bei der Kamera von Sony schwach. Wer Videos auch auf größeren Bildschirmen betrachten möchte, sollte unserer Meinung nach auf jeden Fall zur 4K-Auflösung greifen.
Beispielaufnahme des Xiaomi 15 Ultra in 8K-Auflösung (Zeitlupe)
Beispielaufnahme der Sony RX100 VII (Zeitlupe)
Als Bonus erlauben beide Geräte die Aufnahme mit einem flachen Bildprofil. Das Xiaomi 15 Ultra bietet mit 10-Bit-Dateien dabei aber einen größeren Spielraum als die RX100 VII mit ihren 8-Bit-Aufnahmen. An weiteren manuellen Videooptionen hat weder Sony noch Xiaomi gespart, mangels echter Blende sind Besitzer des 15 Ultra bei der Verschlusszeit aber deutlich eingeschränkt.
Gehäuse und Bedienung:
Smartphones und Kompaktkameras bedienen sich natürlich unterschiedlich. Bei einem Smartphone erfolgen fast alle Eingaben über das Touchscreen-Display, bei einer Kamera normalerweise mittels Tasten und Einstellrädern. Daneben weichen die Bauformen der Geräte aufgrund ihrer unterschiedlichen Aufgaben ebenso voneinander ab. Die 10,2 x 5,8 x 4,3cm messende RX100 VII ist deutlich kompakter, mit 4,3cm Tiefe aber auch wesentlich dicker als das Xiaomi 15 Ultra (16,1 x 7,5 x 0,94cm). Auf der Waage liegt die RX100 VII mit 302g zu 226g deutlich vorne, dieser Unterschied ist spürbar.
Bei Foto- und Videoaufnahmen sorgen die unterschiedlich konstruierten Gehäuse natürlich für deutliche Abweichungen. Wie erwähnt gibt es bei der Sony RX100 VII einige Tasten und Bedienelemente, die Eingaben vereinfachen und für einen hohen Komfort sorgen. Dazu gehören unter anderem der Auslöser, der Zoomhebel zum Verändern der Brennweite oder auch das rückseitige Einstellrad. Das Xiaomi 15 Ultra bietet standardmäßig zwar ebenso einige Bedienelemente, diese bestehen aber nur in Form „digitaler“ Tasten und Wählräder auf dem Display. Als einzige echte Hardware-Taste steht bei Fotos und Video die Lautstärkewippe zur Verfügung. Diese lässt sich unter anderem als Auslöser nutzen.
Beim „Knipsen“ spielen die genannten Unterschiede praktisch keine Rolle, das sehr gute Touchscreen erkennt Eingaben sofort und echte Tasten oder Räder vermisste man kaum. Will man Eingaben manuell vornehmen, sieht dies schon etwas anders aus. Der Bedienkomfort bleibt zwar recht hoch, echte Räder machen durch ihr Feedback beim Zoomen oder dem Verändern der weiteren Aufnahmeparameter aber einfach mehr Freude. Da Xiaomi der fortschrittlichste Hersteller von Smartphone-Kameras ist, hat das Unternehmen aber auch für dieses Bedürfnis eine Lösung entwickelt. Diese nennt sich Photography Kit.
Konkret handelt es sich dabei um einen Kameragriff mit integriertem Akku. Der Griff lässt sich sehr einfach an das 15 Ultra an- und wieder abmontieren, die Verbindung erfolgt per USB-C. Zum Kameragriff gehören auch eine passende Schutzhülle sowie eine Daumenablage. Mit dem Photography Kit liegt das Xiaomi 15 Ultra bei Foto- und Videoaufnahmen unter anderem deutlich besser in der Hand. Für Eingaben stehen nicht nur ein Auslöser und ein Zoomhebel zur Verfügung, per Einstellrad und Record-Taste lassen sich noch andere Aufnahmeparameter beeinflussen. Zur Montage von Filtern gibt es außerdem ein 67mm messendes Gewinde. Wer sein Smartphone in eine „echte“ Kamera verwandeln möchte, kann dies mit dem Photography Kit besonders gut.
Alle relevanten Informationen des Photography Kits sind unserem ausführlichen Einzeltest zu entnehmen. Dessen Lektüre empfehlen wir allen interessierten Lesern.
Die Aufnahme-Optionen sind beim Photography Kit Xiaomi 15 Ultra allerdings unabhängig vom Griff vorhanden. Und davon gibt es nicht wenige. Bis auf die Blende, die sich mangels einer Irisblende nicht verändern lässt, bietet das Smartphone alle relevanten Aufnahme-Parameter. Dazu zählen natürlich die Verschlusszeit und die Sensorempfindlichkeit. Der Weißabgleich, die Belichtungsmessung und der Fokus sind ebenso veränderbar. Fokussieren kann man zudem manuell und auch der Bildstil lässt sich bestimmen. Neben den bekannten Leica-Stilen gibt es dabei noch weitere Optionen. Bei der Aufnahme stehen zusätzlich zu JPEGs auch RAW-Dateien zur Wahl, nachträglich gibt es also noch größeren Bearbeitungsspielraum. Möchte man alle Optionen nutzen, muss sich allerdings für den Pro-Modus des Smartphones entscheiden. Dieser liefert nicht in jeder Situation die gleiche Bildqualität wie der Standard-Modus, da das Smartphone hier nicht alle Bildkorrekturen anwendet.
Bei der Sony RX100 VII ist dies anders. Abseits der Vollautomatik erlaubt die Kamera in fast jedem Programm die identischen Einstellungen und in puncto Bildqualität müssen keine Abstriche hingenommen werden. Inwiefern dies nun relevant ist, muss jeder selbst entscheiden. Natürlich bietet auch die RX100 VII eine sehr lange Featureliste und zahlreiche Konfigurations-Optionen. Foto- und Videografen werden keine Optionen vermissen. Mit der Irisblende steht zudem eine weitere wichtige Steuerungsmöglichkeit zur Verfügung. Ein Filtergewinde besitzt die RX100 VII jedoch nicht.
In puncto Autofokus bewegen sich beide Geräte in vielen Situationen auf einem Level. Gesichter werden automatisch erkannt und korrekt fokussiert, alle Motive allgemein sehr schnell scharfgestellt. Beim Fokussieren von bewegten Motiven ist allerdings die RX100 VII im Vorteil. Sie bietet dafür zudem noch umfangreichere AF-Optionen. Serienaufnahmen erlaubt die RX100 VII mit bis zu 90 Bildern pro Sekunde, hier sind allerdings nur sieben Bilder am Stück möglich. Bei 20 Bildern pro Sekunde kann man dagegen bis zu 172 Bilder in Folge im JPEG-Format sowie bis zu 78 RAW-Aufnahmen speichern. Das Xiaomi 15 Ultra erlaubt Bilderserien mit bis zu 100 Aufnahmen am Stück. Dafür lässt es sich nur etwa 3,5 Sekunden Zeit. Verzichten muss man dabei jedoch auf höhere Auflösungen als 12,5 Megapixel sowie RAW-Dateien.
Die Bildkontrolle erfolgt beim Xiaomi 15 Ultra mit einem 6,73 Zoll messenden AMOLED-Panel, das LCD der RX100 VII von Sony ist dagegen nur 3,0 Zoll groß. Die weit höhere Auflösung sorgt beim Xiaomi 15 Ultra für eine deutlich schärfere Wiedergabe, mit dem Touchscreen kann man im Wiedergabemodus zudem besser navigieren. Die Touchfunktion des Displays der RX100 VII unterstützt dagegen nur rudimentäre Funktionen wie das Vergrößern per Doppeltipp. Multitouch-Features gibt es keine. Dafür kann man das Display um bis zu 180 Grad nach oben schwenken und in mehr Aufnahmesituationen frontal auf das Panel blicken. Dem Xiaomi 15 Ultra hat die RX100 VII außerdem den Sucher voraus. Dieser lässt sich bei Bedarf ausklappen und erlaubt eine wesentlich bessere Bildkontrolle bei kritischen Lichtverhältnissen. Letztere Problematik löst das Xiaomi 15 Ultra in den meisten Situationen mit einer wesentlich höheren Displayhelligkeit.
Unser Fazit:
Smartphones haben sich innerhalb der letzten zwei Dekaden stark weiterentwickelt. Das gilt auch für die Foto- und Videofunktionen. Wer heutzutage ein Modell der High-End-Klasse erwirbt, kann davon ausgehen, dass es exzellente Foto- und Videofähigkeiten mitbringt. Das Xiaomi 15 Ultra deckt mit seinen vier Kameras auf der Rückseite die meisten wichtigen Brennweiten (KB: 14mm, 23mm, 70mm und 100mm) ab und liefert dabei eine sehr hohe Abbildungsleistung. Wer die realen Brennweiten des Smartphones nutzt, erreicht eine Qualität, die sich auf oder sogar über dem Level der Sony RX100 VII bewegt. Gerade bei wenig Licht, hebt sich das 15 Ultra dabei von der RX100 VII ab. Dafür sorgen nicht nur ausgefeilte Bildaufbereitungsmaßnahmen, sondern auch die hochauflösenden Sensoren mit großen Abmessungen. Bei Brennweiten abseits der Optiken muss man wegen des digitalen Zooms dann Abstriche machen, die Qualität bleibt aber trotzdem hoch.
Die Sony RX100 VII liefert dank ihres optischen Zooms stets eine sehr hohe Qualität, für Ultraweitwinkelfotos muss man allerdings manuell Panoramen anfertigen. Besser schneidet die Kompaktkamera bei Serienaufnahmen ab, diese sind mit dem 15 Ultra nur mit deutlichen Abstrichen bei der Auflösung und dem Dateiformat möglich. Die Autofokussysteme beider Geräte arbeiten sehr flott, im Alltag ergeben sich meistens keine Unterschiede.
Videos unterstützt das Xiaomi 15 Ultra mit deutlich höheren Auflösungen, abseits der Slo-Motion-Funktion zudem auch mit höheren Bildraten. Hier zeigt sich besonders stark, dass die Sony RX100 VII mittlerweile einige Jahre auf dem Buckel hat. 30 Vollbilder pro Sekunde in 4K-Auflösung sind heutzutage bestenfalls noch akzeptabel. Das 15 Ultra erlaubt 8K-Videos (30p) und bis zu 120 Vollbilder pro Sekunde in 4K.
An Einstellungsmöglichkeiten mangelt es weder beim Xiaomi 15 Ultra noch bei der Sony RX100 VII. Wer manuell eingreifen möchte, kann dies beim 15 Ultra bis auf die Blendenwahl fast ohne Einschränkungen. Die RX100VII bietet stellenweise aber noch ein paar zusätzliche Aufnahme-Optionen. Ohne Zubehör bewegt sich der Bedienkomfort beim 15 Ultra mangels „echter“ Tasten und Einstellräder zwar nicht auf dem Level der RX100 VII, grundsätzlich schneidet das 15 Ultra aber auch hier gut ab.
Mit dem Photography Kit bietet Xiaomi zudem ein Zubehörprodukt an, mit dem sich „echtes“ Kamera-Feeling erzeugen lässt. Der Griff sorgt für ein besseres Handling und Eingaben machen durch die Bedienelemente mehr Spaß. Als Bonus erhält man zudem eine längere Akkulaufzeit. Für ambitionierte Fotografen ist das Photography Kit daher definitiv eine gute Wahl.
Im Alltag kann das Xiaomi 15 Ultra natürlich auch mit umfangreicheren Bearbeitungsmöglichkeiten und dem schnellen Teilen von Bildern punkten. Letzteres ist bei der RX100 VII zwar per Umweg über die Sony-App möglich, hier muss man allerdings die alte Imaging Edge Mobile-App nutzen. Sonys neuere Creators' App unterstützt die RX100 VII leider nicht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Xiaomi 15 Ultra in vielen Punkten einer echten Kompaktkamera ebenbürtig ist und teilweise sogar besser abschneidet. Zusammen mit dem Photography Kit bietet das Smartphone echtes Kamera-Feeling und macht bei der Foto- und Videografie richtig Spaß. Der Erwerb einer Sony RX1000 VII kann trotzdem Sinn ergeben, wenn Nutzer spezifische Anforderungen haben. Dass die Entwicklung bei Smartphones immer weitergeht und bei Kompaktkameras zuletzt stagnierte, merkt man bei diesem Vergleich aber doch deutlich. Ein neues RX100-Modell könnte diese Situation wieder ändern. Ob dieses erscheint, steht aktuell jedoch in den Sternen.