Was spricht im Zeitalter der DSLM für und gegen den Kauf einer Spiegelreflexkamera
Spiegelreflexkameras haben den Fotomarkt lange dominiert und waren aus den Händen ambitionierter Fotografen nicht wegzudenken. Ende der 2000er wurden dann die ersten spiegellosen Systemkameras vorgestellt und bereits wenige Jahre später begann ihr Siegeszug. Heutzutage entscheiden sich die meisten Käufer für eine Kamera ohne Spiegel und das wird sich vermutlich auch nicht mehr ändern. Ob es trotzdem auch 2025 noch eine gute Idee ist, eine DSLR zu kaufen, wollen wir in diesem Artikel genauer betrachten.
Zunächst sei an dieser Stelle einmal erwähnt, dass der Markt der Spiegelreflexkameras – anders als man meinen könnte – doch noch nicht ganz tot ist. 2023 wurden in Deutschland immerhin noch 61.000 DSLRs verkauft. Der Rückgang ist allerdings deutlich (-28,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022) und DSLMs gingen mehr als viermal so viele (250.000 Stück) über die Ladentheken.
Ein weiterer Trend: Verkaufte DSLRs sind im Durchschnitt wesentlich günstiger als DSLMs (623 Euro vs. 1676 Euro). Daraus kann geschlussfolgert werden, dass bei DSLM-Käufern deutlich höherwertigere Modelle (u. a. mit größeren Bildwandlern) gefragt sind. Sieht man sich die am meisten gekauften Kameras bei Amazon an, kommt die erste DSLR in Form der Canon EOS 2000D auf Platz 10. Sie liegt damit nur zwei Plätze hinter der ersten Systemkamera (Sony Alpha 6400). Bei der Preissuchmaschine Geizhals muss man dagegen bis Platz 43 (unterschiedliche Kameraversionen inkludiert) gehen, um auf die erste DSLR (Canon EOS 90D) zu stoßen.
Der Blick in den Handel zeigt, dass sich durchaus noch einige Modelle neu erstehen lassen: Von Canon unter anderem die eben erwähnten EOS 2000D und EOS 90D sowie die Canon EOS 5D Mark IV. Nikon bietet unter anderem die D850, die D780 und die D7500 an. Und dann gibt es mit Pentax noch ein Unternehmen, das – Kompaktkameras ausgenommen – nur DSLRs verkauft. Aktuell sind drei Kameras im Programm (Pentax KF, Pentax K-3 Mark III und Pentax K-1 Mark II). Neuere Modelle werden zudem – im Gegensatz zur Konkurrenz – noch entwickelt. Wer eine DSLR erwerben möchte, kann das also auch 2025 noch. Nicht nur gebraucht, sondern auch fabrikneu.
Ob der Erwerb 2025 sinnvoll ist, hängt ganz von den Wünschen und dem Budget des Fotografen ab.
Für eine Spiegelreflexkamera kann der optische Sucher sprechen. Diesen können spiegellose Systemkameras nicht bieten. Ob man nun einen optischen Sucher einem elektronischen Sucher vorzieht, ist eine subjektive Entscheidung. Rein aus technischen Gründen stehen hochwertige elektronische Sucher optischen Suchern in nichts nach und bieten sogar einige Vorteile (umfassendere Anzeige von Bildparametern, zusätzliche Einblendungen, Bildkontrolle bei Videos, …). Es mag aber sicherlich den ein oder anderen Nutzer geben, der sich mit elektronischen Suchern überhaupt nicht anfreunden kann. In diesem Fall ist die Entscheidung natürlich recht einfach: eine DSLR ist die bessere Wahl.
Sinnvoll kann der Erwerb einer DSLR zudem sein, wenn man viele alte Objektive besitzt und diese weiter nutzen möchte. Mit „alt“ meinen wir dabei keine Modelle, die in den letzten Jahren vor der Marktführerschaft der DSLMs vorgestellt wurden, sondern Objektive, die bereits deutlich mehr als ein Jahrzehnt auf dem Buckel haben. Diese lassen sich – im Gegensatz zu neueren DSLR-Objektiven – teilweise nicht mehr via Adapter nutzen oder es sind dabei deutliche Kompromisse einzugehen (z. B. die manuelle Fokussierung). In diesem Fall ist allerdings ebenso zu prüfen, ob die „neue“ DSLR-Kamera alle benötigten Funktionalitäten bietet.
Des Weiteren können sehr alte Objektive an modernen Sensoren mit hoher Auflösung auch für eine nicht mehr zufriedenstellende Bildqualität sorgen. Ob sich ein altes Objektiv für den Einsatz an einer DSLR oder DSLM eignet, lässt sich normalerweise recht einfach über die Webseite des Herstellers herausfinden. Viele Modelle funktionieren mit einem Adapter der (aktuellen) Generation sehr gut und ohne Einschränkungen.
Wer wegen seiner alten Objektive den Wechsel zu einer DSLM-Kamera scheut, sollte allerdings bedenken, dass diese bei einem Schaden des Öfteren nicht mehr repariert werden können. Das betrifft teilweise sogar etwas neuere Modelle. Der Kauf einer DSLR ist daher auch beim Vorhandensein funktionierender Objektive älteren Datums genau zu überdenken.
Ein Punkt, der ganz klar für DSLR-Kameras spricht, ist der Preis. Wegen der mittlerweile zahlreich auf DSLM-Kameras umgestiegenen Fotografen lassen sich DSLRs für kleines Geld erwerben. Dazu gehören auch neuere Modelle, die durchaus aktuellere Funktionen (wie zum Beispiel die 4K-Videoaufnahme) mitbringen. Die stark zurückgegangene Zahl von DSLR-Nutzern sorgt zudem für stark gesunkene Objektivpreise. Dadurch lassen sich erstklassige Objektive für deutlich weniger Geld als ihre DSLM-Pendants erstehen.
Keine Alternative sind Spiegelreflexkameras dagegen für Fotografen, die die bestmögliche Technik nutzen wollen. Das versteht sich angesichts der Tatsache, dass schon länger keine High-End-DSLRs mehr vorgestellt wurden, allerdings von selbst. Besonders hohe Foto-Bildraten oder die besten Autofokussysteme finden sich bei Spiegelreflexkameras daher nicht. Verzichten muss man zudem auf mittlerweile liebgewonnene Komfort-Features wie beispielsweise den Augenautofokus, die Serienbildaufnahme ohne „Schwarzbilder“ oder die Motiverkennung von Menschen, Tieren oder Autos.
Grundsätzlich eignen sich DSLRs außerdem vergleichsweise wenig für Videoaufnahmen. Hier steht zur Bildkontrolle nur das Display zur Verfügung und moderne DSLMs bringen in aller Regel auch viel mehr Videofeatures mit.
Für spiegellose Systemkameras spricht zudem die viel größere Variabilität bei den Gehäuseabmessungen und dem Gewicht. DSLMs können (recht unabhängig vom verwendeten Sensor) klein oder groß sowie leicht oder schwer sein. Bei DSLRs lassen sich wegen des Spiegelkastens und des optischen Suchers bestimmte Abmessungen nicht unterschreiten.
Hinsichtlich der Bildqualität machen Spiegelreflexkameras dagegen in aller Regel keine oder nur geringe Abstriche notwendig. Das gilt zumindest für Modelle, die in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre vorgestellt wurden. Diese bieten in den allermeisten Fällen auch heute noch ausreichend viele Pixel, ein gutes Rauschverhalten und einen ansprechend großen Dynamikumfang.
Unser Fazit:
Unser Artikel hat gezeigt, dass es unter bestimmten Umständen auch heutzutage noch Sinn ergeben kann, eine DSLR zu erwerben. Aus unserer Sicht spricht dafür vor allem ein kleines Budget. In diesem Fall sollte man dann aber zu einem gebrauchten DSLR-Modell greifen und nicht eine neue Kamera erstehen. Für ein fabrikneues Modell würden wir uns wirklich nur entscheiden, wenn gegen den Kauf einer DSLM triftige Gründe sprechen. Insgesamt betrachtet bieten DSLMs heutzutage viel mehr Funktionen und werden im Gegensatz zu DSLRs weiterentwickelt. Funktionsupdates wird es für DSLRs definitiv keine mehr geben, wenn man sich nicht gerade für ein Modell von Pentax entscheidet.
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