Die sechs wichtigsten Unterschiede der spiegellosen Systemkameras
Seit rund 15 Jahren bietet Fujifilm Kompaktkameras mit fest verbauten Objektiven und Bildwandlern in APS-C-Größe an. Die Kameras der X100-Serie erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit und lassen sich mittlerweile in sechs Generationen erwerben. Nun ist Fujifilm noch einen Schritt weiter gegangen und hat mit der GFX100RF das erste Kompaktkameramodell mit Mittelformatsensor angekündigt. In diesem Vergleich schauen wir uns an, wie sich die GFX100RF und das aktuelle X100-Modell namens X100VI im Detail unterscheiden.
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Ankündigung der FujiFilm GFX100RF
Datenblatt der FujiFilm GFX100RF
Ankündigung der FujiFilm X100VI
Datenblatt der FujiFilm X100VI
Unterschied 1: Bildwandler und Bildstabilisator
Natürlich sind unsere beiden Vergleichsmodelle mit unterschiedlichen Sensoren ausgestattet. Bei der FujiFilm GFX100RF kommt ein Mittelformatchip mit Abmessungen von 43,8 x 32,9mm zum Einsatz. Dieser fällt fast viermal größer als der APS-C-Sensor der FujiFilm X100VI (23,6 x 15,6mm) aus. Die Auflösungen weichen mit 101,8 Megapixel vs. 39,8 Megapixel weniger stark voneinander ab, hier liegt der Vorteil jedoch noch immer bei einem Faktor von knapp 2,5. Die Aufnahmen der GFX100RF lassen sich daher unter anderem deutlich stärker zuschneiden. Dagegen recht ähnlich: Beide Bildwandler sind rückwärtig belichtet und haben nur gering abweichende Sensorempfindlichkeiten (ISO 40 bis ISO 102.400 bei der GFX100RF und ISO 64 bis ISO 51.200) zu bieten. Beweglich ist dagegen nur der Sensor der X100VI. Deren „IBIS“-System kann Verwacklungen um bis zu sechs Blendenstufen kompensieren. Besitzer der GFX100RF müssen auf einen Stabilisator verzichten.
Unterschied 2: Das Objektiv
Während der Bildwandler der FujiFilm GFX100RF deutlich größer und höher aufgelöst ist, hat das Objektiv der FujiFilm X100VI mit F2 eine größere Blendenöffnung als die Festbrennweite der GFX100RF mit F4 zu bieten. Dadurch lassen sich höhere Sensorempfindlichkeiten beim Einsatz der X100VI deutlich besser vermeiden. Nahaufnahmen sind mit der FujiFilm X100VI bereits ab 10cm Abstand vom Motiv möglich, bei der GFX100RF muss man sich davon 20cm entfernt befinden.
Unterschied 3: Die Serienbildaufnahme
Serienaufnahmen waren nie das Metier von Mittelformatkameras. Die großen Bildwandler können – unter anderem wegen der höheren Pixelzahl – nicht so schnell wie kleinere Sensoren ausgelesen werden. Bei der FujiFilm GFX100RF sind für Mittelformatverhältnisse sehr ordentliche sechs Bilder pro Sekunde (mechanischer Verschluss) möglich, die FujiFilm X100VI kommt jedoch auf wesentlich flottere 20 Bilder pro Sekunde (elektronischer Verschluss). Dies allerdings nur mit 1,29-fachem Crop. Bei voller Auflösung werden 13 Bilder pro Sekunde (elektronischer Verschluss) erreicht, was die X100VI in etwa doppelt so schnell macht. Der Pufferspeicher der Mittelformatkamera reicht bei der höchsten Geschwindigkeit für 296 JPEGs oder 40 RAWs in Folge, die X100VI wird bei voller Auflösung nach 80 JPEGs oder 38 RAWs am Stück langsamer.
Unterschied 4: Die Videofunktion
Wie für die Serienaufnahme gilt auch für die Videofunktion, dass große Sensoren mit vielen Pixeln dabei im Nachteil sind. Während die FujiFilm X100VI mit bis zu 6,2K-Auflösung (bis zu 30p) filmt, schafft die GFX100RF maximal 4K (bis zu 30p). 4K-Aufnahmen sind mit der X100VI natürlich ebenso möglich, die Bildrate fällt bei der APS-C-Kamera jedoch doppelt so hoch wie beim Mittelformatmodell aus. Darüber hinaus ist die GFX100RF in Full-HD auf 60 Vollbilder pro Sekunde begrenzt und die X100VI schafft bis zu 240 Vollbilder pro Sekunde.
Keine Unterschiede gibt es beim maximalen Farbsampling und der Bit-Tiefe (4:2.2; 10-Bit), die GFX100RF kann zusätzlich jedoch noch Apple ProRes-Videos auf eine angeschlossene SSD aufzeichnen. Etwas mehr zu bieten hat die Mittelformatkamera zudem bei Audioaufnahmen: Diese sind via 3,5mm Klinkenbuchse möglich und lassen sich direkt bei der Aufnahme per Kopfhörer kontrollieren, ohne den USB-C-Port zu blockieren. Anschließen kann man ein Mikrofon und einen Kopfhörer zwar auch bei der X100VI, dies jedoch nur mittels 2,5mm Klinkenanschluss und via USB-C-Adapter.
Unterschied 5: Sucher und Display
Zur Bildkontrolle sind beide Kameras sowohl mit einem Sucher als auch einem Display ausgestattet. Der Blick auf die technischen Daten zeigt jedoch, dass hierbei größere Unterschiede bestehen. Zum einen verfügen die Kameras über unterschiedliche Sucher. Bei der FujiFilm X100VI ist ein Hybrid-Sucher verbaut, dieser hat ein elektronisches als auch ein optisches Sucherbild zu bieten. Daneben kann man sich bei der APS-C-Kamera für zusätzliche Einblendungen in das optische Sucherbild entscheiden. Bei der FujiFilm GFX100RF ist – vermutlich mangels Platz – nur ein elektronischer Sucher vorhanden. Diese Tatsache erlaubt es FujiFilm bei der Mittelformatkamera jedoch auch, ein deutlich größeres Modell mit höherer Auflösung zu verbauen. Konkret verfügt die GFX100RF über einen 0,84-fach vergrößernden Sucher mit 5,76 Millionen Subpixel auflösendem OLED-Panel und die X100VI nur über einen 0,66-fach vergrößernden Sucher mit 3,69 Millionen Subpixel auflösendem OLED.
Bei den Displays sind die Unterschiede geringer. Es handelt sich jeweils um nach oben und unten schwenkbare Modelle. Deren Diagonalen weichen mit 3,2 Zoll (GFX100RF) und 3,0 Zoll (X100VI) leicht voneinander ab, das Panel der Mittelformatkamera löst zudem höher auf (2,1 Millionen vs. 1,62 Millionen Subpixel). Eingaben sind jeweils per Touch möglich.
Unterschied 6: Das Gehäuse
Durch ihren Mittelformatsensor kann die FujiFilm GFX100RF natürlich nicht so kompakt wie die mit einem APS-C-Chip ausgestattete FujiFilm X100VI ausfallen. Die Unterschiede sind aber doch geringer, als man meinen würde. Die GFX100RF misst 13,4 x 9,0 x 7,7cm, die FujIFilm X100VI 12,8 x 7,5 x 5,5cm. Ausladender ist die GFX100RF vor allem in der Bautiefe, die Mittelformatkamera ist zudem etwas höher. Hinsichtlich der Breite weichen die Gehäuse dagegen kaum voneinander ab.
Auf der Waage liegt die GFX100RF mit 735g genau 214g vor der X100VI mit 512g. Ein Teil davon ist allerdings auch auf den rund 30g schwereren Akku der Mittelformatkamera zurückzuführen. Hier setzt FujiFilm auf den NP-W235 mit 2.200mAh während bei der X100VI der NP-W126S mit 1.140mAh zum Einsatz kommt. Die GFX100RF verfügt zudem über zwei SD-Slots und die X100VI nur über einen Slot.
Betrachtet man die Gehäuse äußerlich, fällt die ähnliche Designsprache auf. Unter anderem verbaut FujiFilm jeweils ein klassisches Verschlusszeitenwählrad, ein Rad für die Belichtungskorrektur sowie einen Joystick. Nur bei der GFX100RF vorhanden ist dagegen ein Einstellrad für das Seitenverhältnis und via Hebel auf der Vorderseite erfolgt das schnelle Croppen.
Ein Blitzgerät findet sich dafür nur bei der X100VI. Über den Zubehörschuh lassen sich in beiden Fällen externe Modelle nutzen, blitzen kann man beim Einsatz des mechanischen Verschlusses jeweils ohne Einschränkungen. Als Material wird bei beiden Kameras Aluminium verwendet, der Wetterschutz (leichter Regen und Staub) ist nur gegeben, wenn der Schutzfilter PRF-49 montiert wurde. Ansonsten können Staub und Wasser am Objektiv eindringen.
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